Wiener Prater: Architektenkammer fordert Baustopp

12. Juli 2007, 12:55
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"Dekor aus dritter und vierter Hand": Das derzeitige Vorplatz-Projekt sei "nur mehr peinlich", ein Wettbewerb anzuraten

Wien - Die Architektenkammer für Wien, Niederösterreich und das Burgenland übt an der geplanten Gestaltung des Wiener Pratervorplatzes massive Kritik. Zwei Wochen nach der Präsentation des Projekts verlangte die Kammer am Donnerstag ein sofortigen Baustopp und die Durchführung eines Architekturwettbewerbs. Außerdem sollte es erneut dem Fachbeirat für Stadtgestaltung vorgelegt werden.

Franziska Mayr-Keber von der Architektur-Sektion der Kammer lässt an den Plänen für den Eingangsbereich des Vergnügungspark kein gutes Haar. "Das gewählte Dekor aus dritter und vierter Hand ist nur mehr peinlich und spricht städtebaulichen und mindesten architektonischen Standards Hohn", heißt es in der Aussendung. Nicht zuletzt deswegen sei das Projekt im April im Fachbeirat für Stadtgestaltung hochkantig durchgefallen und werde auch von den Praterbetreibern entschieden abgelehnt.

Disco-Nutzungen "um 1900"

Gemäß den Plänen werde der Eingang zum Vergnügungspark mit großen, kulissenartigen Versatzstücken verstellt, hinter denen zusätzliche Gastronomie- und Disco-Nutzungen vorgesehen seien. Thematisch wolle man sich auf ein imaginiertes "um 1900" beziehen. Bisher bekannt gewordene Renderings zeigten allerdings eher eine Struktur der 1950er Jahre mit barockisierendem Dekor, was wenig mit Wien um 1900 zu tun habe.

Weiters hätten die genannten Nutzungen mit einem Eingang, der ein Durchgang in einen Vergnügungspark sein sollte, wenig gemein, "dafür eher mit einem pfropfenartigen Staubereich, der an dieser Stelle nur hinderlich sein kann", so die Kammer-Kritik. Vizebürgermeisterin Grete Laska habe gegen allen Widerstand das Projekt durchgedrückt, die Bagger seien bereits an der Arbeit.

Die Architektenkammer appelliert an Bürgermeister Michael Häupl, einen sofortigen Baustopp zu veranlassen und für den Pratereingang einen Architektenwettbewerb durchzuführen, in dessen Rahmen die beste Lösung nach städtebaulichen, architektonischen und betrieblichen Standards herausgearbeitet werden solle. Dieses sollte dann erneut dem Fachbeirat vorgelegt werden. (APA)

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    Kursalonfantasien bei Projekt zum Eingangsbereich des Wiener Praters

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