Prager Mitglied boykottiert Sitzung in Wien

27. Juli 2007, 15:24
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Weil österreichische Seite Besuch des Atomkraftwerks abgelehnt habe

Prag - Die erste Sitzung der österreichisch-tschechischen interparlamentarischen Kommission zum südböhmischen Atomkraftwerk Temelin, die am Mittwoch in Prag stattgefunden hat, hat auf tschechischer Seite eine unerwartete Folge: Das tschechische Mitglied der Kommission, der sozialdemokratische (CSSD-) Abgeordnete und frühere Industrieminister Milan Urban, bezeichnete es als "befremdend", dass die österreichische Seite eine Einladung zum Besuch Temelins abgelehnt habe. Deswegen werde er an der nächsten Sitzung der Kommission, die für September in Wien geplant ist, nicht teilnehmen.

"Ich betrachte die Ablehnung der Einladung zum Besuch des Kraftwerkes als eine so grundsätzliche Sache, dass es für mich nicht möglich ist, persönlich an der Tagung der Kommission in Wien teilzunehmen", betonte Urban in einer Presseaussendung. "Es scheint, dass nicht fachliche Argumente, sondern eher Vorurteile für die Verhandlungen entscheidend sind", warf er der österreichischen Seite vor.

Für Urban ist es "schwierig zu verstehen", dass die Kommission die Sicherheit Temelins beurteilen werde, ohne das Kraftwerk persönlich zu besuchen. "Die Verhandlungen führen zu keinem Fortschritt. Es hat nicht einmal eine Entschuldigung für die Blockade der tschechisch-österreichischen Grenzübergänge gegeben", beschwerte sich Urban.

Der Politiker ist Vizevorsitzender der oppositionellen CSSD und ihr "Schattenminister" für Industrie und Handel. Er gilt als Anhänger der Atomenergie. Als Industrieminister hatte er sich mehrmals für den Ausbau der atomaren Energiequellen in Tschechien ausgesprochen. In diesem Zusammenhang war über die Errichtung von zwei zusätzlichen Reaktoren in Temelin gesprochen worden.(APA)

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