Sieger Putin

13. Juli 2007, 12:33
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Kaiser Vespasians bekannter Spruch "Geld riecht nicht" gilt auch für die Vertreter klarer Feindbilder

Die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi finden zwar erst 2014 statt, doch der politische Sieger steht schon jetzt fest: Wladimir Putin. Die internationalen Medien haben über seinen persönlichen Triumph in Guatemala berichtet. In Südosteuropa feiert die russische Diplomatie einen anderen taktischen Sieg: Die allgemein erwartete Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovos mit amerikanischer Rückendeckung und auf der Basis des Lösungsvorschlags des finnischen Vermittlers Ahtisaari wurde um mindestens sechs Monate verschoben.

Das klare Nein des russischen Präsidenten Putin hat sowohl im Kreis der uneinigen Nato-Verbündeten wie auch im Weißen Haus seine Wirkung nicht verfehlt. Schließlich hat Putin beim "Familientreffen" in Kennebunkport im Bundesstaat Maine mit seinem Gastgeber ein leichtes Spiel gehabt. Präsident Bush ist durch die Verstrickung in die Irak-Krise so geschwächt, dass von einer US-Hegemonie in der Weltpolitik zumindest bis zum Ablauf seines Mandats keine Rede sein kann.

Trotz der lautstarken Verurteilung der russischen Innen-, Medien- und Menschenrechtspolitik durch führende Senatoren beider Parteien und die US-Medien hat Bush alle Putin-Gegner in Russland, aber auch in Georgien, Moldawien und in den baltischen Staaten entmutigt. Auf die Frage, ob er dem an seiner Seite stehenden Ex-KGB-Offizier vertraut, antwortete er: "... ich weiß, er sagt mir immer die Wahrheit, und ich vertraue ihm."

Die Tageszeitung Boston Globe hat mit außerordentlicher Schärfe Bushs Lob für Putin als eine "kleine Notlüge" verdammt. Da Bush sich an das sinnlose, weil funktionsunfähige Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien klammere, habe er Putin wertvolle Vorteile auf dem Schachbrett der US-russischen Beziehungen zugeschanzt.

Darüber hinaus kann Putin in Deutschland und in Österreich in jeder Hinsicht Helfer finden. Ex-Kanzler Schröder bemühte sich dieser Tage als Millionen verdienendes Aushängeschild von Gasprom diesmal bei einer internationalen Konferenz in Jalta, die russischen Interessen gegenüber der Ukraine zu verfechten. Obwohl alle Fachleute (freilich nicht die in- und ausländischen Immobilien- und Bauspekulanten) die Wahl Sotschis anstatt Salzburgs oder des Standortes in Korea aus vielen Gründen für einen Unsinn halten und obwohl Bundeskanzler Gusenbauers persönliches Engagement Respekt und nicht Spott verdient, gab Skilegende Karl Schranz in einem Kurier- Interview nicht nur zu, dass er mit "Tipps" und "Networking" seinem "Freund Putin" bei der Entscheidung für Sotschi geholfen habe.

In einem unbeschreiblichen Stil drückt er zugleich seine Bewunderung für die "unglaubliche Aura und Kraft" Putins aus, der ihn oft mit seinem Privatjet nach Moskau fliegen lässt, "herrlich" bewirtet und mit ihm sinngemäß gegen die Amerikaner politisiert. Er habe bisher "nicht einen Cent" bekommen, wenn Putin ihm auch zugesagt hat, dass er verdienen würde. In ähnlichem Stil kritisiert auch der Bautenmillionär Haselsteiner (Standard am 19. 5.) die Amerikaner und lobt die Russen, nachdem er 30 Prozent der Strabag an den Oligarchen Deripaska verkauft hat. Ihn, den "Liberalen", stört nicht, dass Deripaska zum "jüdischen Netzwerk" der Oligarchen gehört.

Kaiser Vespasians bekannter Spruch "Geld riecht nicht" gilt auch für die Vertreter klarer Feindbilder und neuer Freundschaften. Die Deutungsmacht über die abgebrochene Demokratisierung Russlands sollten sie aber doch nicht übernehmen. (DER STANDARD, Print, 12.7.2007)

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