Nur die Hälfte nimmt Sozialhilfe in Anspruch

18. Juli 2007, 10:19
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Stigmatisierung und zu wenig Informationen laut Studie als Gründe - In Wien am meisten in Anspruch genommen

Wien - 50 bis 60 Prozent der Haushalte, denen Sozialhilfe zustünde, nehmen diese nicht in Anspruch. Das ist das Ergebnis einer vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung durchgeführten Studie, bei der erstmals die Inanspruchnahme von Sozialhilfe empirisch geprüft wurde.

Rund 80.000 Haushalte haben im Jahr 2003 auf Sozialhilfe verzichtet - weit mehr als jene 63.000, die sie bezogen haben. Hätten alle Berechtigten Sozialhilfe bezogen, wären zu den 235 Millionen Euro, die ausbezahlt wurden, noch 215 Millionen Euro hinzugekommen. "Die Sozialhilfe wird eher dann beantragt, wenn es sich um größere Beträge handelt", erklärt Studienautor Michael Fuchs, der die Ergebnisse am Mittwoch gemeinsam mit dem Soziologen Bernd Marin präsentierte.

Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme seien Stigmatisierung, die Vermeidung eines behördlichen "Zugriffs" auf die Einkommensverhältnisse, mangelhafte Information und die Regresszahlungen, die in vielen Bundesländern fällig werden, sobald der Betroffene wieder ein Einkommen hat.

Die höchste Inanspruchnahme, nämlich rund 80 Prozent, gibt es in Wien, wo zwei Drittel der Sozialhilfebezieher wohnen. Um die Zielgruppe besser zu erreichen, müsste es eine Vereinheitlichung der Leistungen sowie einen klaren Rechtsanspruch geben, folgert Fuchs. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2007)

  • Nur die Hälfte der Haushalte, die einen Anspruch auf Sozialhilfe hätten, beantragen diese auch.
    foto: standard/corn

    Nur die Hälfte der Haushalte, die einen Anspruch auf Sozialhilfe hätten, beantragen diese auch.

  • Die Präsentation der Studie als pdf-Datei.

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