Zwei österreichische Kicker für Kasachstan

26. Juli 2007, 12:11
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Christoph Westerthaler und Milan Oraze waren als Nationaltrainer-Team vorgesehen, doch der Traum platzte

Für den ehemaligen Torschützenkönig und österreichischen Nationalteamspieler Christoph Westerthaler (42) wäre es ein großer Karrieresprung gewesen. Von der österreichischen Regionalliga West direkt nach Almaty. Zuerst hätte er das kasachische U-21 Team und dann ab 2008 die Nationalmannschaft coachen sollen.

Westerthaler, Trainer beim Innsbrucker AC, und Milan Oraze, sein avisierter Co-Trainer in Kasachstan vom SAK-Klagenfurt, flogen Mitte Mai nach Alma-Ata. Sie bezogen dort eine Wohnung und erstellten bereits Trainingspläne. Dann platzte der Traum: Ausgehandelt hatten die beiden ihren Vertrag in Wien mit dem Präsidenten des kasachischen Fußballverbandes, Ex-Botschafter Rakhat Aliew. Als bei diesem Anfang Juni die Handschellen klickten, endete das Engagement Westerthalers und Orazes. Niemand habe mehr gewusst, wie es weitergeht, "sie haben uns geraten, nach Hause zu fliegen, die Verträge wurden aufgelöst", erzählt Westerthaler.

Wie so oft gingen auch bei Aliew Politik, Wirtschaft und Fußball Hand in Hand. In Österreich knüpfte er am Fußballplatz Kontakte in Wirtschaft und Politik. Neben seiner Präsidentschaft beim kasachischen Verband sitzt er in der Medienkommission des Weltfußballverbandes FIFA.

Aliews Kontakte waren nützlich: 2002 sorgte er durch Lobbying und "mehrere Gespräche" mit dem Ex-UEFA-Präsidenten Lennart Johansson dafür, dass Kasachstan vom asiatischen Fußballverband zur europäischen UEFA wechseln konnte. In Österreich sponsorte Aliew die Vienna, in deren U-17-Mannschaft sein jüngster Sohn Aisultan spielt. Und er handelte die Verträge mit Westerthaler und Oraze aus. "Aliew war ein netter Typ", sagt Westerthaler.

Inzwischen hat die Affäre Aliew auch die Fußballwelt erreicht. In Kasachstan wurden die Aliew-nahen Verantwortlichen beim Verband entlassen. Ein Team der FIFA und UEFA ist vor Ort und prüft die Vorgänge. In Österreich haben sich Westerthaler und Oraze einen Anwalt genommen. Sie wollen das ihnen aus dem Vertrag zustehende Geld. Noch hoffen sie auf eine gütliche Einigung. Ein sportlicher Plan Aliews scheiterte: Er hatte sich in Österreich nach einem Klub umgesehen. Allerdings könne man hier keinen Verein kaufen, sagt er. Sollte er im Land bleiben, will er sich aber noch einmal bemühen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 12. Juli 2007, Thema)

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