"Vielleicht war ich der erste Metrosexuelle"

12. Juli 2007, 17:00
167 Postings

Eben hat er eine CD mit 80er-Hits kompiliert: Udo Huber, wie Falco eine österreichische Ikone jener Jahre, im Interview

Von den 80er Jahren zehrt der einstige Moderator der TV-Sendung "Die Großen 10" bis heute. Karl Fluch war bei ihm auf Besuch.

STANDARD: Herr Huber, Sie sind bekannt wie ein bunter Hund. Was ist der größte Irrtum über Udo Huber?

Udo Huber: Irrtümer gibt's viele. Zum Beispiel die Overalls. Die hab ich in 120 Sendungen vielleicht zehn Mal angehabt. Das haben sich alle gemerkt. Dabei bin ich damals oft nach London gefahren und hab mir Designersachen gekauft, nur das ist niemandem aufgefallen. Ein Vermögen hab ich für Fetzen ausgegeben, aber - nichts! Damals wurde man ja nicht eingekleidet vom Sender. Aber wehe, man hat zwei Mal dasselbe angehabt, dann sind gleich Briefe gekommen.

STANDARD: Udo Huber, das bedeutet auch Kajalstift ...

Huber: Ich glaub, ich hatte ein oder zwei Mal Kajal aufgetragen und da wurde ich halt überschminkt. Vielleicht war ich ja der erste Metrosexuelle ...

STANDARD: Wie sind Sie zum Rundfunk gekommen?

Huber: Ich habe Theaterwissenschaften studiert und bin nach einem Semester in die Kulturredaktion von Ö1 gekommen. Dort habe ich angefangen. Mit einem Gustav-Manker-Interview über das Programm des Volkstheaters. Irgendwann hat es sich zu Ö3 verlagert, weil mein Freund und Maturakollege Robert Reumann bei Ö3 war. So hat sich das ergeben. Dann ist die Hitparade dazu gekommen. Dann hat sich ergeben, dass man im Fernsehen eine Hitparade gemacht hat, und dann hat man eben den genommen, der das eh schon im Radio macht, weil man den ja auch herzeigen konnte.

STANDARD: Thema Dorfdiscos. Sie haben jahrelang eine Ochsentour durch die Dorfdiscos des Landes gemacht ...

Huber: Allerdings, ich war in Ortschaften, wo nicht einmal der Postbus eine Haltestelle hatte. Aber es ist interessant, wenn man in 700 Seelen Gemeinden vor 2000 Leuten steht. Sonst ist nicht viel dazu zu sagen. Gesoffen hat man dort genauso wie in der Stadt.

STANDARD: Dorfdiscos haben eine morbide Aura. Das Klischee: besoffen am Heimweg das Auto gegen den Baum parken ...

Huber: Was heißt Klischee? Es gibt kein Klischee ohne Wahrheit. Mir ist, wenn ich in der Nacht nach der Aufzeichnung heimgefahren bin, oft der aufgemotzte Kadett quergestellt auf der Landstraße entgegengekommen. Alles erlebt.

STANDARD: Wie war das, wenn "Die Großen 10" in eine Gemeinde gekommen sind?

Huber: Die Leute sind auf dasselbe gestanden wie die in der Stadt. Ich war einmal in der Heimat der Stoakogler. Da war interessant, dass die Leute, die gerade noch geheadbangt haben zu Deep Purple, in der Sekunde umschalten und eine Stoakogler-Polka tanzen. Ich hab ja selbst auch keine Berührungsängste vor jedweder Musik. Ich hab zehn Jahre als Edelkomparse in der Volksoper gearbeitet, kenne jede Operette in- und auswendig, kenne durchs Studium Opern. Beim Musikantenstadl kenn ich mich am wenigsten aus ...

STANDARD: Erzählen Sie doch eine Anekdote von damals - oder haben Sie alles glücklich vergessen?

Huber: Interessant waren Leute wie David Hasselhoff. Wenn man in Amerika jemandem erzählt hat, dass der auch Sänger ist, waren die Leute erstaunt. Natürlich war bei der Gelegenheit der ganze Ort auf den Beinen, war Knight Rider schauen. Großmütter mit Babys am Arm usw. Für mich war das ein Highlight. "Die Großen 10" und Polizeieinsatz, weil der einsame Schantinger in dem Ort musste Verstärkung anfordern, weil die einzige Straße im Ort natürlich blockiert war mit all den Leuten.

STANDARD: Was war der Hasselhoff für ein Typ?

Huber: Der war sehr in Ordnung. Er ist gekommen, hat sich vier große Obstler rein gehaut und war tadellos gesprächig.

STANDARD: Thema Austro-Pop, also dünnes Eis. Gibt's da Freundschaften oder wird man nur als jemand wahr genommen, den man braucht, um ins Radio oder - früher - ins Fernsehen zu kommen?

Huber: Es haben sich keine innigen Freundschaften entwickelt, außer vielleicht mit den STS-Leuten. Ich hab mich mit dem Falco ganz gut verstanden und manche Nacht mit ihm durchzecht. Sympathisch waren die Amerikaner, die bei den "Großen 10" Gäste waren. Die waren bescheiden. Jeder Österreicher, der 400 Singles verkauft hat, wollte gleich eine eigene Garderobe, Duschen und am Besten noch eine Limousine.

STANDARD: Wo liegt bei Musik ihre Schmerzgrenze?

Huber: Ich will jetzt keine Interpreten nennen, aber es gibt genug.

STANDARD: Sie haben die kommerziell erfolgreichste, damit aber die oft seichteste Musik transportiert - Job oder Überzeugungstäter?

Huber: Job. Dass einem von den Top 40 nicht alle 40 gefallen, ist klar. Mir kann niemand, der Hitparaden transportiert, einreden, dass er eine Mission hat. Aber ich glaube sehr wohl, dass sie ein Teil der Jugendkultur sind. Auch wenn André Heller dagegen geschimpft hat, bin ich überzeugt, dass auch er als zwölf-, 13-jähriger Hitparade gehört hat. Er hat einmal in einer Radiositzung dagegen gewettert. Der Walter Gröbchen hat ihn dann gefragt, was ich denn sonst tun sollte? Zwischen Platz 24 und 25 Handke zitieren?

STANDARD: Was bedeutet Ihnen Musik eigentlich?

Huber: Wahrscheinlich gibt's Menschen, die ohne Musik leben könnte. Ich könnte das nicht. Musik ist etwas, wo ich in der Früh den Radio aufdrehe, bei der Arbeit werde ich davon berieselt, Musik ist toll, Musik kann wirken, Musik kann gut sein, Musik kann böse sein. Musik kann harmonisieren oder auch aufputschen.

STANDARD: Was war das Schlimmste, das Ihnen während Ihrer Laufbahn passiert ist?

Huber: Eine der schlimmsten Geschichten war, als ich die Hitparade live im Radio gemacht habe und vor der Nachrichtenpause sage, "die nächste Stunde beginnt mit Hansi Dujmic". Und in den Nachrichten kommt zwei Minuten später die Meldung: Er ist tot. Das war die ärgste Ansage meines Lebens. Er war erstmals in seinem Leben in den Top Ten, und das an seinem Todestag.

STANDARD: Ihr peinlichster Moment?

Huber: In den 80ern hab ich jede Menge Parteiveranstaltungen moderiert, da bin ich hin und wieder durcheinander gekommen. Einmal habe ich beständig die falsche Partei angesagt, da herrschte schon ein kleiner Aufruhr in den ersten Besucherreihen ...

STANDARD: Gibt's da auch Schmerzgrenzen?

Huber: Alles was rechts von der ÖVP ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, RONDO, 13.7.2007)

  • "Bekannt wie Coca Cola" Fragt man Udo Huber nach seinen Eckdaten, antwortet er: "Geboren 1953, eine Frau, einen Sohn". Den Rest kennen gemeine Österreicher, die sich ihrem 30er nähern, sowieso. Huber: "Angeblich hab ich bei Leuten zwischen 30 und 50 einen Bekanntheitsgrad wie Marken à la Coca Cola". Erarbeitet hat er sich diesen mit der Fernseh-Hitparaden-Show "Die Großen 10" und dem Ö3 Hitradio in den 80ern und 90ern. Neben seiner heutigen Tätigkeit für Antenne Wien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol, wo er die "80er-Show" präsentiert, ist Huber Vizepräsident des Wiener Sportklubs.
Eben hat er die erste CD einer Reihe mit Hits aus den - no na - 80ern zusammengestellt (Vertrieb: Universal).
    foto: universal

    "Bekannt wie Coca Cola"
    Fragt man Udo Huber nach seinen Eckdaten, antwortet er: "Geboren 1953, eine Frau, einen Sohn". Den Rest kennen gemeine Österreicher, die sich ihrem 30er nähern, sowieso. Huber: "Angeblich hab ich bei Leuten zwischen 30 und 50 einen Bekanntheitsgrad wie Marken à la Coca Cola". Erarbeitet hat er sich diesen mit der Fernseh-Hitparaden-Show "Die Großen 10" und dem Ö3 Hitradio in den 80ern und 90ern. Neben seiner heutigen Tätigkeit für Antenne Wien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol, wo er die "80er-Show" präsentiert, ist Huber Vizepräsident des Wiener Sportklubs. Eben hat er die erste CD einer Reihe mit Hits aus den - no na - 80ern zusammengestellt (Vertrieb: Universal).

Share if you care.