Bescheidener Empfang in Zeltweg: "Seven Lima Whiskey Alpha" gelandet

27. Juli 2007, 10:51
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Darabos und Fischer in Mazedonien - Nur Bartenstein anwesend - Schüssel kritisiert "Fluchtbewegung" der Staatsspitze

Der erste Eurofighter ist in Zeltweg gelandet. SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos ließ sich den Empfang, der vom Flieger- bis zum Radetzkymarsch alle Stückerln spielte, entgehen. Seine Einkaufstaktik wurde von Bundesheervertretern kritisiert.

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Zeltweg – Er ist lauter und größer, und ihm, nicht den zwei eskortierenden F-5-Jets, galt die gesamte Aufmerksamkeit am Fliegerhorst Hinterstoisser im obersteirischen Zeltweg. Der Eurofighter, der erste von 15, – „Seven Lima Whiskey Alpha (7L WA) – ist am Donnerstag um 10.45 Uhr auf österreichischem Boden gelandet. Schon eine Stunde zuvor haben sich Schaulustige auf den Straßen zum Fliegerhorst aufgestellt und mit Feldstechern den Himmel nach dem Kampfflugzeug abgesucht, um das auf politischer Ebene zehn Jahre lobbyiert, abgestimmt und gestritten wurde.

In das Gelände, in das EADS-Testpilot Martin Angerer in wenigen Minuten mit dem Jet landen würde, durften sie jedoch nicht. Genauso wenig schafften es auch die sieben mit „Pace“-Fahne ausgestatteten jungen Aktivisten, die gegen Eurofighter und die „weitere Eingliederung Österreichs in die Aufrüstungen der EU und der Nato“ protestieren wollten. Der ÖVP-Jugend hingegen, die mit Bündeln rot-weiß-roter Papierfähnchen ihre Pro-Eurofighter-Einstellung zu erkennen gab, wurde der Eintritt gewährt.

Dort, auf einem aufgeschütteten Aussichtspfad, dem „Feldherrenhügel“ neben der Landesbahn, wies Doro Kowatsch, Kommandant des Überwachungsgeschwaders des Österreichischen Bundesheeres, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Steiermarks Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (beide VP) in die Materie Eurofighter ein. Auf Bartensteins Frage, ob es denn ein besseres Flugzeug als den Eurofighter gebe, sagte Kowatsch: „Die F-22 der Amerikaner.“ In Europa sei es aber der Eurofighter, lenkte er ein.

"Glück ab und gut Land" Der Fliegergruß „Glück ab und gut Land“ galt dann auch für den Eurofighter-Piloten, der das schlanke, neue Schmuckstück der Österreichischen Luftstreitkräfte nach der Landung durch den Wasserbogen der Flughafenfeuerwehr vor die Fliegerwerft 2 rollte. Hörbar enthusiasmiert – die Militärmusik Salzburg spielte den Fliegermarsch – wurde er auch empfangen.

Streitkräftekommandant Generalleutnant Günter Höfler kritisierte die politische Entscheidung, dass nur 15 Eurofighter gekauft wurden. Doch das habe man zu akzeptieren, sagte er und wünschte sich ein Ende der „Negativdiskussion“ um die Jets.

„Blick nach vorn“

Martin Bartenstein, der einzige Vertreter der Bundesregierung, schloss sich mit „Es ist ein großer Tag für Österreich“ den lobenden Worten auf die Flieger der vierten Jet-Generation an. Dennoch bemühte er sich, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Meinungsbild der Österreicher spreche nicht für die Eurofighter, die die Steuerzahler 100 Millionen Euro pro Jahr kosteten. Doch als eines der reichsten Länder der Welt könne und müsse sich Österreich das leisten, argumentierte der Ökonom Bartenstein. Gerade wegen seiner Neutralität brauche das Land die Luftraumüberwachung.

Wohl an Verteidigungsminister Norbert Darabos (SP) gerichtet, der, statt den Eurofighter zu empfangen, mit Bundespräsident Heinz Fischer in Mazedonien weilte, appellierte Bartenstein an all jene, „die nicht kommen wollten, nach vorn zu blicken“.

Direkte Kritik am Fehlen von Bundespräsident und Verteidigungsminister bei der Landung des ersten Eurofighters kam von ÖVP-Klubchef Wolfgang Schüssel. "Es ist ziemlich schade, dass sich die Spitzen der Republik in einer Fluchtbewegung absetzen, wenn die Luftraumüberwachung ansetzt", sagt Schüssel in der "Kleinen Zeitung" (Freitag-Ausgabe).

Power "gewaltig"

„Es wäre ein gutes Bild gewesen“, wenn Darabos gekommen wäre, sagte auch Zeltwegs Bürgermeister Kurt Leitner (SP) zum STANDARD. Der Eurofighter werde seine Aufgabe sicherlich erfüllen, war der Zeltweger, der alle Flugzeuge am Standort kennt, überzeugt. Die Power des Eurofighters sei „gewaltig“, kommentierte Pilot Jörg Sandhofer, der mit drei anderen seine Ausbildung in Deutschland absolviert hat, die Leistungsfähigkeit. Pro Jahr werden sechs Piloten ausgebildet, heuer werden noch zwei fertig. Insgesamt werden 24 Piloten die 15 Eurofighter fliegen. Der Flugbetrieb werde schon kommende Woche aufgenommen, sagte Günter Höfler. Im August, Oktober und Dezember werde jeweils ein Flugzeug in Österreich landen und Mitte 2008 schließlich werden alle neun Eurofighter da sein. Die sechs gebrauchten Jets, die bei der deutschen Luftwaffe in Einsatz waren, sollen danach eintreffen.

Nicht ganz, doch fast so laut wie der Eurofighter, blies die Kapelle zum Abschluss dann noch den Radetzkymarsch. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD, Printausgabe 13.7.2007)

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    Der erste Eurofighter wurde relativ unspektakulär empfangen: Als einziges Regierungsmitglied war Wirtschaftsminister Bartenstein anwesend, die zwei kleinen Demonstrationen umfassten laut Polizei maximal zwanzig Personen.

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  • In Empfang nahmen den ersten Eurofighter neben dem Bundesheer hauptsächlich Vertreter der ÖVP. Verteidigungsminister Norbert Darabos weilt in Mazedonien.
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    In Empfang nahmen den ersten Eurofighter neben dem Bundesheer hauptsächlich Vertreter der ÖVP. Verteidigungsminister Norbert Darabos weilt in Mazedonien.

  • Der erste Eurofighter kam am Donnerstag in Zeltweg an, weitere drei landen noch heuer.
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    Der erste Eurofighter kam am Donnerstag in Zeltweg an, weitere drei landen noch heuer.

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