Frankreich: Polemiken um Cannes-Sieger

19. Juli 2007, 14:57
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Mungius "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" zwischen Abtreibungs-Fronten

Paris - In Frankreich hat der Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" des Rumänen Cristian Mungiu, der die erschütternde Geschichte einer Frau erzählt , die im kommunistischen Rumänien eine illegale Abtreibung vornehmen lassen will, zu Diskussionen zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern geführt. Ursprünglich hätte der heurige Gewinner der Goldenen Palme in Cannes als "pädagogische DVD" in den Mittel- und Oberschulen des Landes verteilt werden sollen. Bildungsminister Xavier Darcos (UMP) hat diese Entscheidung jedoch Ende der Vorwoche zurückgezogen.

Nun setzte es heftige Kritik seitens der Menschenrechtsliga LDH (Ligue des Droits de l'Homme) und des Regieverbands SRF (Societe des Realiteurs de Films). Die LDH verurteilte in einem offenen Brief an Darcos, dass die Regierung ihre Absicht geändert habe. Die "Zensur" sei unverständlich, umso mehr als sich nur eine Vereinigung von Abtreibungsgegnern, "Choisir de vivre", gegen den Film ausgesprochen hat. Die SRF warf dem Minister der konservativen Partei UMP vor, dem Druck von Abtreibungsgegnern nachgegeben zu haben.

Das Bildungsministerium hatte den Film als "zu hart" für ein halbwüchsiges Publikum in den Schulen bezeichnet. Vordem hatte der Streifen allerdings den französischen "Prix de l'Education" erhalten, der von Lehrern und Schülern vergeben wird. Dieser prämiert jedes Jahr seit 2003 einen der am Festival von Cannes beteiligten Streifen, der einen "besonderen pädagogischen Wert" besitzt. Der Siegerfilm wird dann als DVD veröffentlicht und in den französischen Schulen verteilt. (APA)

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