Hohes Preisniveau, weniger Umsatz

11. Juli 2007, 17:00
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Halbjahresbilanz der Pariser Auktionshäuser

Paris – Mehr als 464 Millionen Euro lautet die finale Halbjahresbilanz in der französischen Metropole. Das Preisniveau der Spitzenergebnisse ist deutlich höher als in Österreich. Als einziges Land Europas schaffte es in Frankreich das Kunstgewerbe auf Spitzenplatzierungen.

Die vier Auktionshäuser Christie's, Artcurial-Briest-Poulain-Le Fur-F.Tajan, Sotheby's, Tajan, Pierre Bergé & Associés, plus die 70 Drouot-Versteigerer setzten in Paris seit Anfang des Jahres bis Ende Juni insgesamt 464,4 Millionen Euro um. Im Vergleich zum ersten Halbjahr vergangenen Jahres macht das um neun Prozent weniger.

Der Pariser Markt hatte weniger Topsammlungen (d.h. je 5 bis 60 Millionen Euro) anzubieten als 2006. Weder am Art Déco-Sektor, noch auf dem Gebiet der Stammeskunst, wo Paris als das Weltzentrum gilt, gab es Spitzenware. Dagegen konstatiert man eine Verlagerung des Marktes: die Gemälde, insbesondere die der Nachkriegszeit, erzielten auch in Paris die Top-Preise, wie die 6,9 Millionen Euro für Francis Bacons finstere Menschenvision "Untitled" beweist. Außerdem profiliert sich Paris als Weltleader für orientalistische Gemälde.

Die seit Jahren ein traditionelles, gemeinsam mit islamischen Kunsthandwerkgegenständen angebotenes Segment im Drouot darstellen und deren Preise dank Petrodollars neuerdings stark anziehen. Der Weltrekord von 1,9 Millionen Euro für Etienne Dinets (1861–1929) Ansicht eines Palmenhains in Süd-Algerien, den die Versteigerer Gros & Delettrez am 11.6. im Hôtel Drouot festlegten, steht für diese Tendenz.

Auch Asiatika stellen seit sechs Jahren ein starkes Pariser Marktgebiet dar und punkteten mit unerwartet hohen Zuschlägen. Eine China-Auktion, darunter eine Sammlung mit Objekten aus feuervergoldeter Bronze und Schmuckemail, fuhr am 13. Juni bei Christie's 17,1 Millionen Euro für 244 verkaufte Lose ein. Ein neuer Weltrekord in der Höhe von 6,5 Millionen Euro wurde dabei für ein Zellenschmelz-Email und Bronze-Objekt in Form von zwei Männerfiguren bewilligt.

Bücher und Manuskripte, (der zahlenmäßig aktivste Bereich der zirka 500 Pariser Auktionen, die es pro Semester gibt), können nach wie vor mit guten Sammlungen und entsprechenden Ergebnissen aufwarten. Die Bibliothek des 59-jährigen Pierre Leroy mit u.a. 50 Titeln von Charles Baudelaire und fuhr bei Sotheby's knapp 5 Millionen Euro ein. Die Erstausgabe von Baudelaires "Les Fleurs du mal", vor genau 150 Jahren publiziert, brachte 603.200 Euro.

Christie's tut alles, um in Paris Nummer eins zu sein. Hochpreisliche Ware wird nach Paris verschoben, um auf der Top-Ten-Liste bestens platziert zu sein. Dennoch ist der 100 Millionen Euro-Umsatz um 18 Prozent geringer als voriges Jahr. Die Gruppe Artcurial schafft zwar Breitenwirkung auf dem Gebiet der Moderne und zeitgenössischen Kunst, aber kaum Weltrekorde. Sie setzte mit 52,6 Millionen Euro um 6,5 Prozent mehr um als im ersten Semester 2006.

Sotheby's steigerte sich sogar um 59 Prozent auf 38,4 Millionen Euro. Tajan lässt um sechs Prozent nach und meldet 33,3 Millionen Euro. Pierre Bergé & Associés setzte nur neun Millionen Euro in Paris um, weil das Haus seine Haupttätigkeit nach Brüssel verlegt. Die 70 Auktionatoren der Drouot SA bilanzieren 231 Millionen Euro, um neun Prozent weniger als im ersten Semester 2006. (Olga Grimm-Weissert / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2007)

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