Wiener Kriminalbeamter von eifrigem Kollegen angezeigt

15. Juli 2007, 18:15
9 Postings

Beamter fand zu schnell heraus, dass ein mutmaßlicher Internetbetrüger ein echter Kunstexperte war

Wien - Wie schnell man auf der Anklagebank landen kann, musste am Mittwoch ein Wiener Kriminalbeamter erfahren. Dem Polizisten wurde im Straflandesgericht Verletzung eines Amtsgeheimnisses angelastet, was allerdings selbst Staatsanwalt Michael Radasztics nicht nachvollziehen konnte. Er forderte in seinem Schlusswort explizit einen Freispruch für den angeklagten Polizisten. Richterin Katja Bruzek kam diesem Ersuchen nach. Die Entscheidung ist rechtkräftig.

Dali im Internet angeboten

Ein auf Handel mit gefälschten Kunstwerken spezialisierter Fahnder hatte auf einem Online-Auktionshaus mehrere Farbholzstiche des spanischen Surrealisten Salvador Dali entdeckt, die er für nicht echt hielt. Ein Wiener Kriminalbeamter, der seit 21 Jahren bei der Exekutive arbeitet, wurde mit den Ermittlungen betraut.

Echtheits-Bestätigung

Die zum Verkauf angebotenen Stiche waren mit einer Echtheits-Bestätigung eines angesehenen Kunsthistorikers und Dali-Experten versehen, der von den Behörden zunächst jedoch als "Gefälligkeitsgutachter" eingestuft wurde.

Echter Kunstexperte

Dem Wiener Polizisten wurde jedoch rasch klar, dass im vorliegenden Fall alles mit rechten Dingen zugegangen war. Er nahm Kontakt mit dem Kunsthistoriker auf und fand heraus, dass dieser über seine Schwiegertochter relativ unbedeutende Dali-Werke versteigern wollte. Kleine Nachforschungen genügten, um an der Qualifikation des "Gutachters" keine Zweifel mehr zu haben: Der Mann gilt im deutschen Sprachraum als Kapazität für den Surrealismus im Allgemeinen und Dali im Besonderen.

"Er ist ein total transparenter Mensch. Für mich war klar, dass nichts dahinter ist", gab der Kriminalbeamte zu Protokoll. Trotzdem hat er die Erhebungen ungeachtet seiner privaten Meinung pflichtgemäß weiter geführt und dem Kunsthistoriker das Auskunftsersuchen der Bundeskriminalamts sowie den Schriftverkehr des Innenministeriums mit der Polizei gefaxt und ihn aufgefordert, zu den darin enthaltenen Verdächtigungen Stellung zu beziehen.

Anzeige

Daraufhin wurde der Beamte von einem Kollegen angezeigt, weil dieser vermutete, dass dieser dem Verdächtigen Einsicht in Polizeiliche Akten gewährt habe.

Der verdächtigte Polizist erklärte vor Gericht: "Das war ja kein Verschlussakt! Es ist üblich, dass man einem Verdächtigten Akteneinsicht gewährt und ihn Stellung beziehen lässt." Der Heidelberger Kunsthistoriker meinte im Zeugenstand: "Ohne Einsichtnahme in diese Unterlagen hätte ich das ja nicht entkräften können."

Der Staatsanwalt beendete den Fall schließlich mit den Schlussworten: "Offenbar hat die Polizei nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig anzuzeigen!" (APA)

Share if you care.