Luxus, Badespaß und Frömmigkeit in der Türkei

15. Juli 2007, 12:00
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Nobelherberge findet laufend Klientel: Reiche Türkinnen tummeln sich am Privatstrand im "Hasemas"

Alanya - Am Strand des Luxushotels Bera Alanya genießen streng-gläubige Türkinnen die Badefreuden auf ihre Weise: In einem Schwimmanzug, der sie islamisch-korrekt von Kopf bis Fuß bedeckt. In der Fünf-Sterne-Unterkunft an der Mittelmeerküste plantschen Männer und Frauen getrennt, und selbstverständlich wird kein Alkohol ausgeschenkt. Die Nobelherberge setzt auf eine wachsende Zahl reicher und gläubiger Türkinnen und Türken.

Gleich aussehen

"Weil wir nicht den üblichen Badeanzug tragen, konnten wir früher nicht so einfach an den Strand", schildert die 38-jährige Gamine Oduncu ihre Nöte mit öffentlichen Schwimmanstalten. Dort könne sie sich zwar auch in dem Hasemas genannten Anzug zeigen, ziehe jedoch komische Blicke auf sich. "Hier sehen wir alle gleich aus", freut sich die Mutter zweier Kinder über den abgeschirmten Badestrand des Hotels.

Viele Gäste des Bera Alanya dürften am übernächsten Sonntag ihr Kreuz bei der von den weltlichen Eliten des Landes wegen ihrer islamischen Wurzeln misstrauisch beäugten AKP machen. Die AKP weist Vorwürfe vehement zurück, sie wolle das in die Europäische Union drängende Land mit seinen 70 Millionen Menschen in ein streng islamisches Gemeinwesen verwandeln. Ihm gehe es nur darum, dass fromme Türkinnen ungehindert ihren Glauben praktizieren und auch in öffentlichen Gebäuden das Kopftuch tragen könnten, sagt Regierungschef Erdogan. Auch er wolle die strikte Trennung von Staat und Religion beibehalten, versichert der streng gläubige Regierungschef, dessen Frau und Töchter die traditionelle Kopfbedeckung tragen.

Befürchtungen

Den säkularen Türkinnen graut davor. "Sie wollen die Türkei in den Iran verwandeln. Wir können dann nicht mehr die Kleider tragen, die wir wollen", warnt die Istanbuler Marketingdirektorin Nilüfer Celik. Im April habe sie deshalb das erste Mal im Leben an einer Demonstration teilgenommen - zusammen mit einer Million anderer AKP-GegnerInnen.

Bedarf ist vorhanden

Fromme und zugleich wohlhabende Türkinnen und Türken sind angesichts des Wahlsieges Erdogans zuversichtlich. Sie verdanken ihren Wohlstand dem Boom, der nach dem Amtsantritt Erdogans im Jahr 2002 einsetzte. Der Aufschwung hat auch islamisch orientierten Hotels wie dem Bera Alanya zum Erfolg verholfen. Einer Studie des vom Hotelverband herausgegebenen Magazins "Resort" zufolge gibt es an der Mittelmeerküste 27 solcher Herbergen. Zehn weitere sind in Planung.

"Der Bedarf ist vorhanden. Die Menschen entwickeln täglich neue Bedürfnisse und setzen sich neue Ziele", sagt der Istanbuler Fabrikbesitzer Turgut Al, der mit seiner Frau im Bera Alanya Urlaub macht. Er sagt voraus: "Dieser Sektor wird weiter wachsen." (Reuters/red)

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    Ein Model präsentiert einen Hasemas
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