"Ihre Familien mussten sich ihre Existenz hart erkämpfen"

22. Juli 2007, 17:46
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Zumindest ein Elternteil von sechs Spielern des ÖFB-Teams stammt aus dem Ausland, Zlatko Ju­nuzovic sieht auch da­rin eine Stärke der Junioren

Edmonton - Sie tragen bei der Fußball-U20-WM in Kanada das ÖFB-Trikot und singen die österreichische Hymne, die Wurzeln von gleich sechs Spielern der österreichischen Nachwuchs-Auswahl liegen aber im Ausland. Zumindest ein Elternteil von Zlatko Junuzovic (Bosnien), Veli Kavlak (Türkei), Rubin Okotie (Nigeria), Martin Harnik (Deutschland), Bartolomej Kuru (Tschechien) und Tomas Simkovic (Slowakei) stammt nicht aus Österreich.

Laut Teamchef Paul Gludovatz, selbst ein burgenländischer Kroate, ist der "Multi-Kulti-Faktor" ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg seiner Mannschaft. "Die Familien der meisten von ihnen mussten sich ihre Existenz hart erkämpfen. Diesen Willen zu hartem Arbeiten haben auch die Burschen, das merkt man auf dem Platz."

"Wir wissen, was gewisse Sachen wert sind"

Ähnlicher Meinung ist auch Junuzovic, der aus der Kleinstadt Zvornik knapp 200 Kilometer von Sarajevo entfernt stammt. "Wir waren in Bosnien eine reiche Familie, mein Vater war Richter. Dann ist der Krieg ausgebrochen und wir mussten flüchten. In Österreich haben wir dann nichts gehabt, wir mussten uns von ganz unten raufkämpfen. Dadurch ist unsere Familie stärker geworden, wir wissen, was gewisse Sachen wert sind", sagte der Offensivspieler, der mit drei Jahren in die Alpenrepublik kam und in Kärnten aufwuchs.

Seiner Entwicklung als Fußballer hat die damalige Not-Situation der Familie nicht geschadet. "Als Österreicher hat man von der Geburt an meistens einen Grundstock, eine Absicherung. Man weiß nicht, wie das ist, wenn man alles verloren hat." Dies hat laut Junuzovic wesentliche Auswirkungen auf das Engagement von Zuwanderer-Kindern. "Ich glaube schon, dass Spieler mit solchem Hintergrund ehrgeiziger sind."

"Sehr auf den Spielwitz bedacht"

Der ÖFB profitiert aber nicht nur vom Ehrgeiz, sondern auch von der Kreativität dieser Kicker. "Wir haben diese Mentalität, dass wir sehr auf den Spielwitz bedacht sind, einfach sehr verspielt sind." Diese Qualitäten gepaart mit der Robustheit anderer Spieler tragen wesentlich zur Stärke der U20-Auswahl bei. "Wahrscheinlich ergibt das einfach eine bessere Mischung und hebt das Niveau, wenn Spieler mit verschiedenen Mentalitäten auf dem Platz stehen", vermutet Junuzovic.

Die Temperamente sind verschieden, die Identifikation mit Rot-Weiß-Rot ist aber bei allen Mitgliedern des 21-Mann-Kaders gleich. Auch für Junuzovic gibt es nichts Größeres, als für das österreichische Nationalteam spielen zu können. "Das ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe meine Freunde und Familie hier", sagte der Austria-Kärnten-Spieler, der seit seiner Flucht nie mehr in Bosnien gewesen ist. "Das wäre derzeit noch immer zu gefährlich."

Auch im A-Team

Junuzovic und Kavlak brachten es bereits auf Einsätze im A-Team, in dem Einwanderer-Kinder auch eine immer wichtigere Rolle spielen. Dazu zählen etwa Sanel Kuljic, Yüksel Sariyar, Cem Atan, Muhammet Akagündüz, Emin Sulimani und Ronald Gercaliu, auch Christoph Leitgeb hat einen kroatischen Vater. Außerdem haben Kicker wie Ümit Korkmaz, Marko Stankovic oder Marko Arnautovic A-Team-Perspektive.(APA)

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    Zlatko Junuzovic

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