"Radio Maryja"-Chef soll First Lady als Hexe bezeichnet haben

18. Juli 2007, 15:01
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Jeder darf einmal eine Affäre inszenieren, auch der Regierungschef

Warschau - "Ein Meisterstück der Propaganda", kommentierte Julia Pitera von der oppositionellen Bürgerplattform (PO) den plötzlichen Rausschmiss Andrzej Leppers aus der polnischen Regierung. Denn den umstrittenen Landwirtschaftsminister hätte man genauso gut vorher wie später vor die Tür setzen können.

Skandale in seiner Partei, der Samoobrona (Selbstverteidigung) gab es genug in der letzten Zeit: seltsame Wechselgeschäfte, Sexaffären und Beleidigungsprozesse. Pitera aber ist überzeugt: "Die Art und Weise, wie das Zentrale Antikorruptionsbüro (CBA) vorgegangen ist, die seltsame Eile - das alles deutet darauf hin, dass damit die Äußerungen Pater Tadeusz Rydzyks übertönt werden sollten."

Am Freitag noch feierte Premier Jaros³aw Kaczyñski mit dem Gründer von Radio Maryja die 15. Pilgerfahrt der "Familie Radio Maryjas" zum Wallfahrtsort Tschenstochau, trat an den Altar und rief den 150.000 Gläubigen zu: "Dank euch ist Polen! Dank euch wird Polen fortdauern! All jenen zum Trotz, die noch nicht glauben und die nicht glauben wollen."

Zwei Tage später der Eklat. Das Nachrichtenmagazin Wprost veröffentlicht den Mitschnitt einer Vorlesung Rydzyks in dessen Medien-Hochschule. Darin beschimpft dieser Präsident Lech Kaczyñski als "Betrüger", der der "jüdischen Lobby" zu Diensten sei. Dabei habe die Aufdeckung des Pogroms von Jedwabne "den Juden" nur dazu gedient, aus Polen 65 Milliarden Dollar herauszupressen. Auch Maria Kaczyñska, die Präsidentengattin, bekommt ihr Fett ab. Sie sei eine "Hexe", die Euthanasie gutheiße und sich daher selbst der "Euthanasie unterziehen solle".

"Wenn die Informationen stimmen, werden sie zum Gegenstand einer scharfen Kritik und Pater Rydzyk muss sich entschuldigen", verlangte Präsident Kaczyñski am Dienstag. Gleichzeitig suggerierte er aber, dass dem Fall in der Öffentlichkeit zu viel Bedeutung beigemessen werde. (gl/DER STANDARD, Printausgabe, 11.7.2007)

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