Akron Art Museum: Coop Himmelb(l)au bauten "Museum der Zukunft"

11. Juli 2007, 12:16
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Erster öffentlicher US-Bau der österreichischen Architekten wird am 17. Juli eröffnet - Prix: "Wir sind unserer Zeit immer voraus" - Futuristischer Erweiterungsbau mit "Dachwolke"

Akron/Wien - "Planung hat etwas mit Ahnung zu tun", schmunzelt Wolf D. Prix, der gemeinsam mit Helmut Swiczinsky das weltweit bekannte österreichische Architekten-Duo Coop Himmelb(l)au bildet. Deswegen mache es auch nichts, dass ihr Akron Art Museum, das heute, Dienstag, in der 200.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Ohio der Presse vorgestellt wurde, auf einen Wettbewerbs-Sieg im Jahre 2001 zurückgeht. "Sechs Jahre sind bei uns die normale Laufzeit. Wir sind unserer Zeit immer so weit voraus, dass das nichts ausmacht. Nur Baumeister, die sich nichts trauen, haben Angst vor der Zukunft und fürchten sich, unmodern zu werden."

"Ich finde es ein ganz wichtiges Bauwerk, nicht nur weil es unser erstes öffentliches Gebäude in den USA ist", erklärt Prix im Gespräch mit der APA, "es erregt selbst in den USA Aufsehen." Mit ihrem futuristischen Erweiterungsbau treten Coop Himmelb(l)au auch in Dialog zum alten Museum, einem ehemaligen Postgebäude vom Ende des vorigen Jahrhunderts, an das auf drei Ebenen angedockt wird und das von einem weit ausgreifenden Dachflügel quasi unter die Fittiche genommen wird. Den konstruktiven Umgang mit alter Bausubstanz sei man "als gelernter Wiener" gewohnt, meint Prix, er hoffe, dass die Auftraggeber des neuen EZB-Headquarters in Frankfurt, wo die Frage des Umgangs mit einer denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle für erregte Diskussionen sorgt, dies nach Akron auch einsehen würden.

Der dreiteilige, in "Kristall", "Galerienbox" und "Dachwolke" gegliederte Zubau soll nicht nur mit einem Schlag die Raumkapazitäten des 1922 gegründeten Kunstmuseums, das über eine 3.700 Objekte umfassende Sammlung verfügt, von der bisher nur weniger als ein Prozent gezeigt werden konnte, vervielfachen. "Wir haben mit unseren Auftraggebern ein komplett neues Konzept für ein Museum entwickeln können", so Prix, "ein Museum der Zukunft". In ihm sollen sich herkömmliche Museumsfunktionen und urbaner Raum zu einem Kulturzentrum neuen Typs verbinden, in dem digitale und analoge Informations- und Erlebnisangebote gemacht werden.

Deshalb steht nicht mehr die Sammlungspräsentation im Mittelpunkt, sondern die Durchlässigkeit, die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Veranstaltungen in einem sichtbaren Bereich stattfinden zu lassen, der als Mittler zwischen Museum und Stadt fungiert. Der drei Stockwerke hohe gläserne "Kristall" (Prix: "Eine Weiterentwicklung unseres Dresdner UFA-Palastes") soll diese Aufgaben erfüllen, während die "Galerienbox" Raum für permanente und temporäre Ausstellungen und Skulpturengarten bietet.

Das Projekt, dessen Gesamtkosten mit 42 Millionen Dollar (30,8 Mio. Euro) angegeben werden (8,2 Mio. davon kommen von Bundesstaat Ohio), soll aber auch als starkes architektonisches Zeichen eines wiedererstarkten städtischen Selbstbewusstseins fungieren. "Die Stadt hatte vor allem durch die Reifenindustrie eine gewisse Bedeutung erfahren", erzählt Prix, "dann kam die Krise. Doch jetzt ist sie wieder dabei, sich zu etablieren." Dass moderne Museumsarchitektur dabei helfen kann, weiß man spätestens seit Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao. Die stählerne "Dachwolke" mit einer Spannweite von 100 Metern, die ein weithin sichtbares, modernes Signal aussendet und gleichzeitig einen Raum definiert, in dem Freiluft-Events stattfinden können, soll sich zum neuen Wahrzeichen der Stadt entwickeln.

Das Interesse war bereits im Vorfeld groß. Das Fundraising-Dinner, bei dem am Samstag zu Preisen von 350 Dollar pro Person erstmals ein Blick in das neue Museum geworfen werden durfte, war ausverkauft, noch ehe die Einladungen gedruckt waren. Am 15. Juli wird das Haus bei einem Tag der offenen Tür erstmals für das Publikum geöffnet, am 17. Juli offiziell eingeweiht. Auch zur Eröffnung gibt es nicht Architektur pur, sondern bereits ein mit Kunst befülltes Gebäude. Denn, so Prix: "Ein Kunstmuseum ohne Kunst ist wie ein Auto ohne Benzin".

Gutes Stichwort: Die BMW Welt in München, für die Coop Himmelb(l)au gleichfalls 2001 den Wettbewerb gewannen, wird Ende Oktober eröffnet. Im kommenden Jahr soll eine High School in Los Angeles folgen. Der Bau des Musee des Confluences in Lyon (Wettbewerbs-Gewinn ebenfalls 2001) verzögert sich dagegen. Immerhin: "Die Fundamente sind drinnen!" Im südkoreanischen Busan, wo man den Wettbewerb für einen Kino-Komplex gewonnen hat, wird dagegen noch nicht gebaut. Bei dem riesigen Neubauprojekt für die EZB in Frankfurt rechnet man derzeit mit einer Fertigstellung im Jahr 2011. Zukunftsangst scheint tatsächlich das letzte zu sein, was man Coop Himmelb(l)au vorwerfen könnte... (APA)

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