Auf den Spuren einer Heiligen

10. Juli 2007, 17:31
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Restaurierung des Mantels der heiligen Elisabeth erfordert neben Material- und naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch kunstgeschichtliche

Wie der Mantel der heiligen Elisabeth von Thüringen zu den Elisabethinen nach Klagenfurt kam, darüber weiß man nichts. Zuletzt vermachte ihn wohl die älteste Tochter von Maria Theresia, Erzherzogin Maria Anna, 1789 dem Konvent.

Die vergangenen Monate verbrachte das kostbare Textil erneut in Wien und fing am Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst an zu "sprechen", in den Händen der Textilrestauratorin Regina Knaller: "Als wir den Mantel bekamen, war er großflächig und grob mit grünem Faden gestopft sowie auf Futterseide genäht", beschreibt sie alte Reparaturarbeiten, die sich heute als fatal erweisen können. Die zeitliche Abfolge des Flickwerks wurde wie ein roter Faden dokumentiert, wobei sich der sprichwörtlich tatsächlich durch das Textil zieht. Momentan sieht die Restauratorin den Trend, "nichts anzurühren, um nichts falsch zu machen. Auch Schäden werden als gewachsener Zustand verkauft."

Sie entschloss sich trotzdem, "einige Reparaturen herauszunehmen, weil sie Stress auf das Objekt ausüben." Die im Zuge dieser Restaurierung durchgeführte Nähkonservierung ist wieder ein Eingriff, aber mit chirurgischen Rundnadeln und Seidenfäden, feiner als ein Haar. Einige Gläubige hatten zudem Stücke des Seidenstoffs als Reliquien abgeschnitten. Nun wurde der Mantel farblich passend unterlegt, ohne Formen "dazuzudichten".

In Teamarbeit wurden Geheimnisse gelüftet: Mit der Radiokarbonmethode soll das Alter bestimmt werden, auch Farbstoffe und die mit Gold fein überzogenen Lederstreifchen, die den Stoff matt schimmern lassen, werden untersucht. "Wir haben herausgefunden, dass das Tuch nicht – wie angenommen – aus Sizilien kommt, sondern aus dem Orient", so Knaller.

Material- und naturwissenschaftliche Kenntnisse dürfen also in der Ausbildung der Restauratorinnen ebenso wenig fehlen, wie der kunstgeschichtliche Kontext. Auch über die barmherzige Elisabeth von Thüringen, die schon zu Lebzeiten im deutschsprachigen Raum verehrt wurde, ist den Textilrestauratorinnen an der Angewandten einiges bekannt. 1207 als ungarische Königstochter geboren, wurde sie bereits mit vier Jahren auf die Wartburg versprochen und gebracht. Sie engagierte sich für Arme und Kranke und wurde nach dem Tod ihres Gatten verstoßen. Völlig verarmt gründete das Vorbild der Caritas und Schutzheilige der Witwen, Bettler und Weisen ein Hospital in Hessen und starb früh. Bereits vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie heilig gesprochen, und 1236 begann der Reigen um ihre Reliquien.

Der kostbare Mantel, den sie selbst nie getragen hat, wurde vermutlich von Friedrich dem Zweiten gestiftet. Für eine Ausstellung mit dem Titel "Eine Europäische Heilige" kehrt der Mantel nun auf die Wartburg zurück.

Die Verantwortung im Umgang mit ur- und frühgeschichtlichen bis zeitgenössischen Objekten wird in der akademischen Ausbildung an der Angewandten fünf Jahre in projektorientiertem, an Originalen ausgeführten Unterricht geschult, wobei die restauratorische Praxis im Mittelpunkt steht. Einzigartig in Österreich wird hier die Arbeit mit Stein, Textil und Metall gelehrt, auch im Rahmen von (inter-) nationalen Forschungsprojekten. Das Institut ist in der Hand von sieben Frauen, "obwohl wir uns eine Durchmischung wünschen würden", so Vorstand Gabriela Krist. Ergebnis der Ursachensuche: Es gibt genug Jobs, man kann aber nicht reich werden. Der Beruf erfordert Verantwortung, Ausdauer und Sensibilität, aber ein Restaurator bleibt anonym.

Zunehmend wird die Evaluierung von Maßnahmen und die "Entrestaurierung" ein Thema, wie auch bei den lackartigen Überzügen der barocken Bleisärge in der Kapuzinergruft. Quasi in unmittelbarer Nachbarschaft der Habsburger hüten die Wiener Elisabethinen noch das Kopfreliquiar der hl. Elisabeth. Aber das spricht nicht. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7. 2007)

  • Regina Knaller bei der Arbeit
    foto: standard/gerhard ramsebner, institut für konservierung und restaurierung

    Regina Knaller bei der Arbeit

  • Blaue und grüne Seidenfäden sowie Goldfäden werden durch einen Spannstich aus haarfeiner Seide fixiert.
    foto: standard/gerhard ramsebner, institut für konservierung und restaurierung

    Blaue und grüne Seidenfäden sowie Goldfäden werden durch einen Spannstich aus haarfeiner Seide fixiert.

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