Kartellamt: Premiere und Arena wollten Markt aufteilen

18. Juli 2007, 11:23
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Entscheidung über deutsche Bundesliga-Übertragungen Anfang nächster Woche

Der neue Präsident des deutschen Bundeskartellamtes, Bernhard Heitzer, hat den Fernsehsendern Premiere und Arena den Versuch wettbewerbswidriger Absprachen vorgehalten. Beide Sender hätten geplant, den deutschen Pay-TV-Markt unter sich aufzuteilen und damit den Wettbewerb auszuschalten, erklärte Heitzer am Dienstag in Bonn. Zugleich kündigte er eine Entscheidung über die Live-Übertragungen aus der Fußball-Bundesliga für voraussichtlich Anfang nächster Woche an.

Probleme bei der Vermarktung

Bei Arena, einer Tochter des Kabelkonzerns Unity Media, hätten sich nach dem Erwerb der Bundesliga-Rechte bis zur Saison 2008/09 ziemlich bald offenbar Probleme bei der Vermarktung ergeben, erklärte Heitzer. Die Abonnentenzahlen von Arena seien weit hinter der internen Wirtschaftlichkeitsrechnung zurückgeblieben, vor allem beim Satellitenempfang.

Daraufhin hätten Premiere und Arena Anfang 2007 ein so genanntes Alpha-Agreement geschlossen, von dem die Kartellbehörde erst im Nachhinein erfahren habe, sagte Heitzer. Damit hätten die Sender nach Angaben eines der Beteiligten die "wesentlichen rechtlichen und kommerziellen Hindernisse" für das Bezahlfernsehen in Deutschland beseitigen wollen.

"Weitgehende Marktabschottung"

Das Abkommen hätte "eine sehr weitgehende Marktabschottung und Marktaufteilung" bedeutet, sagte der oberste Wettbewerbshüter. Den Satellitensektor hätte Premiere bedienen sollen, die Kabelnetze Unity Media/Arena. Es hätte eine gegenseitige Vermarktung der beiden Sender gegeben, "wahrscheinlich mit der Folge einer weitgehend einheitlichen Preis- und Programmgestaltung und letztlich einer weitgehenden Ausschaltung jeglichen Preis- und Qualitätswettbewerbs".

Die sich jetzt abzeichnende Lösung sieht nach offiziell nicht bestätigten Angaben vor, dass Arena die verlustbringenden Bundesligarechte als Sublizenz an Premiere abgibt. Premiere würde die Übertragungen dann wieder selbst produzieren. Arena als eigenständiger Sender würde geschlossen.

"Nicht ideal, aber akzeptabel

Heitzer wollte keine Einzelheiten nennen, weil das Verfahren noch laufe. Er sagte aber, das Kartellamt könne mit den jüngsten Vorschlägen der Sender von Ende Juni einigermaßen leben, wenn bestimmte weitere Bedingungen erfüllt wären. Was sich jetzt abzeichne, sei nicht ideal. Es sei aber deutlich besser als die ursprünglichen Absichten, und es sei akzeptabel, weil es nur begrenzt bis zum Ablauf der Bundesligasaison 2008/09 gelten solle. Wichtig wäre, dass zwei unabhängige Satellitenanbieter und zwei unterschiedliche Kabelanbieter bestehen bleiben sollten, damit Qualitäts- und Preiswettbewerb möglich werde, betonte der Kartellamtspräsident. (APA/AP)

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