Lebensqualität, von oben betrachtet

10. Juli 2007, 18:50
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Geoinformatiker und Psychologen untersuchten gemeinsam die subjektiv erlebte Wohnqualität in der Stadt Salzburg

Manche Stadtbewohner sind schon mit einem kleinen Park zufrieden, andere sprechen erst von Lebensqualität im Wohnbezirk, wenn ein Wald in ihrer Nähe liegt. Einige gehen gern ein Stück zu Fuß oder fahren mit dem Auto, um Einkäufe zu erledigen, andere sind nur zufrieden, wenn der Einkaufsmarkt im Wohnblock vis-à-vis zu finden ist.

"Beliebte Wohnstandorte sind mehr als Bauten in der Landschaft, sondern Gebilde aus Umweltressourcen, Infrastruktur und erlebter Alltagsqualität", sagt der Geoinformatiker Thomas Prinz vom Researchstudio I-Space in Salzburg. Und spricht damit gleich den Haken bei der objektiven Messung von Lebensqualität im Wohnort an. Es gibt zwar ein Set von Indikatoren, die er im Auftrag der Salzburger Stadtplanung festlegte – Spielflächen, Naherholung, Durchgrünung, Personennahverkehr zählen dazu –, aber Qualität kann man hier nur subjektiv erleben.

"Lebensqualitätskarten"

"Gleiche Qualität kann von Stadtbewohnern jeweils anders erlebt werden. Angebot und Wünsche sind", sagt Alexander Keul, Psychologe an der Universität Salzburg, "so diskrepant wie Speisekarte und Appetit." Prinz und Keul haben daher versucht, sich mit Feldforschung dem Thema zu nähern. Salzburg Süd rechts und links der Alpenstraße wurde parallel auf städtische Indikatoren und Lebensqualität der Bevölkerung untersucht. In 293 Interviews mit etwa sechs Prozent der Einwohner wurde nach 22 "Quality of Life"-Merkmalen gefragt. Die Meinungen wurden daraufhin "geocodiert" und in einer Reihe bunter "Lebensqualitätskarten" dargestellt. "Lebensqualität bedeutet nichts anderes als die Bewertung lokaler Qualitätsmerkmale durch die Bevölkerung. Ihre Indikatoren sind subjektiv, aber genauso räumlich darstellbar wie Merkmale der Infrastruktur", sagt Keul.

Die Ergebnisse sind zum Teil nicht überraschend: Die subjektiv erlebte Lebensqualität lässt Rückschlüsse auf örtliche Ressourcen zu. Die Zufriedenheit mit dem Grünraum steigt mit dem Grünraumangebot. Die Zufriedenheit mit der Nachbarschaft innerhalb eines Siedlungsverbandes, also bei gleichen räumlichen Bedingungen, schwankt.

Offenbar haben Gewöhnung an die Umgebung und Bequemlichkeit auch Einfluss auf die Wohnzufriedenheit. Sie steigt mit der Wohndauer und sinkt mit der Distanz zum öffentlichen Verkehr. Die geocodierte Lebensqualität lässt sich, so Keul, mit weiteren Indikatoren wie Marktforschungsdaten vernetzen, wodurch ein eigener "Mikrokosmos urbaner Bewertungen" entstehe, der eine nachhaltige Stadtplanung mithilfe der Stadtbewohner möglich mache. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7. 2007)

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