Zusammenhänge im Netz finden

10. Juli 2007, 16:55
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Semantische Technologien stehen im Mittelpunkt eines neuen Förderprogramms

Gewisse Wortkreationen könnten auch User überraschen, die schon von der IT-Industrie einiges gewohnt sind. "Information Diffusion Across Interactive Online Media" alias "Idiom" ist aber auch kein unbedingt alltägliches Projekt. Hier entwickeln Forscher der TU Graz und der WU Wien zusammen mit Gentics Software, Prisma Solutions und Austria.info Systems neue Zugänge zu Internetinhalten.

"Ziel ist es, dem Benutzer ein Werkzeug zu geben, mit dem er Themen- und Informationsströme im Web gezielt beobachten kann", sagt Albert Weichselbraun vom Forschungsinstitut für Rechenintensive Methoden der WU Wien. Über eng verbundene Visualisierungen kann der User etwa die Popularität von Umweltthemen, Produkten oder Politparteien verfolgen. Infos stehen durch Links zu den Texten bereit, verwandte Themen werden mitgeliefert. Artikel, die im Naheverhältnis zueinander stehen, erscheinen dazu auf geografischen und semantischen Karten.

Außerdem kann das System automatisch Publikationen identifizieren, die besonders positiv oder negativ über Sachverhalte berichten. Ein Prototyp zum Thema Klimawandel ist auf www.ecoresearch.net/climate zu finden. Idiom wird mit einer halben Million Euro vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) innerhalb des Programmes FIT-IT Semantic Systems gefördert. "Durch explosiv wachsende Datenmengen wird der Ruf nach Lösungen zur automatischen Bewältigung immer lauter. Systeme, die Daten eigenständig aufgrund ihrer Bedeutung klassifizieren und verarbeiten können, sind deshalb ein technologisches Muss der nächsten Jahre", sagt Georg Niklfeld vom Programmabwickler FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft).

Solche Zukunftsarbeit leistete unter anderem das Projekt "NextWrap": Hier verfolgten TU Wien, TU Graz sowie Lixto Software das Anliegen, die so genannten "Wrappertechnologien" auf die nächste Ebene zu bringen. "Wrapper" sind Programme, die aus relativ unstrukturierten Webseiten strukturierte Fakten extrahieren können. "Damit kann das Internet wie eine große Datenbank benutzt werden. Fakten wie Preise oder Flüge lassen sich strukturiert in einem Datawarehouse ablegen und dann analysieren, um beispielsweise tagesaktuellen Marktüberblick zu erhalten", erklärt Robert Baumgartner, Lektor am Institut für Informationssysteme der TU Wien.

Ein Beispiel ist die Metasuche nach Hotels auf der Seite der Österreich Werbung (austria.info). Daten werden von den Homepages der jeweiligen Portale geholt und für den User aufbereitet. Zusätzliche Infrastruktur betreffend Datenaustausch ist daher auch nicht mehr notwendig. Im Gegensatz zu traditionellen Suchmaschinen geht es bei der Datenextraktion um Fakten in den betreffenden Sites selbst, nicht um eine Kategorisierung oder die Relevanz von Dokumenten.

Wissensintensiv

Dyonipos (Dynamic Ontology based Integrated Process Optimisation) ist schließlich eine von FIT-IT geförderte Idee, die das Know-Center Graz, HP Austria, TU Graz und m2n – consulting und development umsetzen. "Es geht um Unterstützung wissensintensiver Geschäftsprozesse in Firmen durch semantische Technologien", sagt Michael Granitzer, Division Manager des Know-Center Graz. "Durch Analyse der Eingaben kann erkannt werden, ob der Anwender gerade ein Dokument bearbeitet oder sich im Internet zu einem Thema schlau macht. Dyonipos sucht im Unternehmen dann automatisch nach ergänzender Information. Durch die Analyse der Tätigkeiten einzelner Mitarbeiter können außerdem Engstellen im Betrieb betreffend den Wissensfluss festgestellt und behoben werden."

Jetzt steht der vierte Call in Sachen Semantic Systems offen. Das Fördervolumen beträgt dabei rund drei Millionen Euro (vorbehaltlich der Freigabe des Förderbudgets und der förderrechtlichen Grundlagen). Geplante Deadline für Einreichungen ist der 23. Juli, 12.00 Uhr. Entscheidungen werden im September mitgeteilt. Niklfeld: "Diesmal gibt es zusätzlich einen Impuls in Richtung Lösungen, die mit einem Blick auf spätere Volumenmärkte und Anwendungen in Großsystemen gestaltet sind. Irgendwann muss jede neue Informations-Technologie auch den Schritt in die kommerzielle Verwertung schaffen." (pren/(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7. 2007)

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