Diskussion um Tonerstaub

11. Juli 2007, 14:45
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Veröffentlichung von Uniklinikum Essen kommt zu dem Schluss, dass es keine Gefärdung durch Laserdrucker gebe - Experten kritisieren dieses Ergebnis

Essen/Hamburg/Gießen - Die Diskussion um die von Laserdruckern ausgehende Gesundheitsgefahr geht in eine neue Runde. Eine Veröffentlichung des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitssicherheit und dem Institut für Hygiene und Arbeitsmedizin am Universitätsklinikum Essen kommt zum Schluss, dass es keine Gefährdung gebe, da diese der wissenschaftlichen Grundlage entbehre. Experten kritisieren dieses Ergebnis: Eine Tonerstudie der Universität Giessen ergab, dass die Partikel-Emission beim Druckvorgang sehr wohl ansteigt.

Pro und Contra der Ärzte

"Die in den Medien zitierten Studien zum Nachweis von Gesundheitsgefahren entbehren einer arbeitsmedizinischen Grundlage und basieren auf Einzelfallmessungen. Allerdings ist der sachgemäße Umgang mit den Arbeitsgeräten die Grundlage für einen gefahrlosen Büroalltag", meint Peter Egler, Facharzt für Arbeitsmedizin. "Wir haben in Büroinnenräumen Messungen durchgeführt und eindeutig festgestellt, dass ultrafeine Stäube und Schadstoffe während des Druckerprozesses frei werden", erklärt Richard Gminski vom Institut für Innenraum und Umwelttoxikologie am Uniklinikum Gießen. Gminski hat gemeinsam mit Volker Mersch-Sundermann die Tonerstudie durchgeführt.

"Eklatanter Mangel an Studien"

Scheinbar großzügig gehe man auch mit der Aussage um, wonach die gemessenen Staub- und Gasemissionen völlig ungefährlich seien. Das bestätigt auch die Interessensgemeinschaft Tonergeschädigter: "Es gibt einen eklatanten Mangel an geeigneten Studien und keine wissenschaftlichen Beweise für die generelle Ungefährlichkeit oder Gefährlichkeit von Tonern", so Hans-Joachim Stelting von der AG Innenraumschadstoffe und Gesundheit im pressetext-Interview. Was Stelting stört, ist die Tatsache, dass Wissenschaft, Medizin, Berufsgenossenschaften, Politik und Behörden bei der Aufklärung der Risiken versagt haben. "Seit 15 Jahren liefern Humanstudien wissenschaftlich belastbare Hinweise für irritative und sogar gentoxische Wirkungen durch Toner", zitiert Stelting einen Artikel im wissenschaftlichen Fachmagazin UmweltmedForschPrax. Die Zitate von Egler, wonach die Krankheitsbilder wie Atemwegs- und Lungenerkrankungen aber auch Augenreizungen nicht nachweislich in Zusammenhang mit Laserdruckern oder Kopierern stehen, seien daher nicht nachvollziehbar.

Anteil an Feinstäuben nicht vermindert

In anderen wissenschaftlichen Studien berichten Forscher davon, dass Fein- und Feinststäube sehr wohl negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Von besonderer Relevanz sind dabei vor allem Feinstpartikel, deren Zahl in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Solche Feinstpartikel entstehen bei jeder Verbrennung. Trotz der Tatsache, dass die Staubbelastung in Deutschland seit den 1960er Jahren zurückgegangen ist, konnte lediglich der Anteil an Grobstäuben vermindert werden, nicht jedoch der Anteil an Feinstäuben. In Untersuchungen konnten Wissenschaftler auch zeigen, dass die Staubpartikel auch mit anderen Substanzen beladen sein können. In der Stadt können dies zum Beispiel Schwermetalle und krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sein. Laserdrucker emittieren - je nach Zusammensetzung des Toners - solche Schwermetalle, Organozinnverbindungen und andere schädliche Substanzen. Das konnten die Giessener Forscher jedenfalls nachweisen. (pte)

  • Artikelbild
    foto:derstandard.at/photodisc
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