Exporte legen trotz Euro-Rekordhochs um neun Prozent zu

20. September 2007, 16:06
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Das Rekordhoch kompensiert den Anstieg der Ölpreise, schadet der Exportwirtschaft wegen der großen Nachfrage aber kaum

Wien – Auch ein neuerliches Rekordhoch des Euro von 1,3750 Dollar konnte das rosige Konjunkturbild am Mittwoch nicht trüben. Im Gegenteil: Wirtschaftsforscher wie Bernhard Felderer vom IHS und Franz Hahn vom Wifo wiesen darauf hin, dass durch die Stärke der Gemeinschaftswährung der rasante Anstieg der Ölpreise abgefangen werde. Auch die heimischen Exporteure kommen durch den hohen Euro in keine Schieflage. Im Gegenteil: Die österreichischen Exporte sollen heuer um neun Prozent zulegen, erklärt Wifo-Experte Hahn. Die seit Jahren anhaltende Aufwärtsentwicklung der Gemeinschaftswährung habe zu massiven Produktivitätsfortschritten in der europäischen Industrie geführt, sagt Felderer. Dadurch sei die Position des Kontinents im globalen Wettbewerb jetzt abgesichert. Der Höhenflug des Euro könnte auch der lahmenden US-Konjunktur helfen. Die Leistungsbilanz der USA ist von einem gewaltigen Finanzloch geprägt, das im Vorjahr rund sechs Prozent der Wirtschaftsleistung ausgemacht hat. Der schwache Dollar könnte nun zum Motor für die Ausfuhren aus den USA werden und somit zu einer Reduktion des Außenhandelsdefizits beitragen.

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"Der starke Euro nützt der Wirtschaft mehr als er schadet." Mit diesen Worten lässt der Währungsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, Franz Hahn, aufhorchen. Einerseits werde mit dem am Mittwoch erzielten Rekordkurs des Euro von 1,3750 Dollar der rasante Anstieg des in US-Währung fakturierten Ölpreises abgefedert. Andererseits sei die Bedeutung des Greenbacks für die europäischen Ausfuhren relativ gering.

Kurssteigerungen des Euro verteuern die Exporte in andere Währungsräume. Im Wechselkursindex des Wifo bringt es der Dollar aber gerade einmal auf eine Gewichtung von knapp zehn Prozent, während der Euro-Raum mit zwei Drittel zu Buche schlägt. Somit erkläre sich auch, dass die heimischen Exporte trotz der Verschiebungen im Währungsgefüge heuer um satte neun Prozent zulegen werden, so Wifo-Mann Hahn. Ähnlich sieht das Bernhard Felderer, Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS). Die nun schon seit Jahren anhaltende Aufwärtsentwicklung des Euro habe zu massiven Produktivitätsfortschritten in der europäischen Industrie geführt. Entsprechend gesichert sei jetzt die Position des Kontinents im globalen Wettbewerb.

Gute Nachfrage

Zugute kommt vor allem der deutschen und – in ihrem Sog – der österreichischen Wirtschaft die international große Nachfrage nach Ausrüstungsgütern wie Maschinen und Anlagen. Und überhaupt löst der immer besser laufende Konsum der privaten Haushalte die Ausfuhren als Konjunkturstütze Nummer eins zusehends ab. Entsprechend gelassen kommentiert die europäische Industrie den Höhenflug der Gemeinschaftswährung: "Erst wenn der Euro die Schallmauer von 1,40 Dollar erreicht hat oder übertrifft, bin ich beunruhigt", meinte Jürgen Thumann, Präsident des deutschen Industrieverbands BDI kürzlich. Und auch von hochrangigen Vertretern der Europäischen Zentralbank kommen derzeit nur beruhigende Aussagen zum Thema Währung. Was dem Euroraum nicht schadet, könnte der lahmenden US-Konjunktur auf die Sprünge helfen. Das Land wird von einem Loch in der Leistungsbilanz geplagt, das im Vorjahr rund sechs Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachte. Der schwache Dollar beflügelt die US-Ausfuhren und Unternehmensgewinne und kann damit einen Beitrag zur Reduktion des Außenhandelsdefizit leisten.

Gute Gründe

Die derzeitige Schwäche ist jedenfalls relativ gut begründet. Während in Europa die Zinsen wegen der guten Konjunktur weiter steigen dürften, wird in den USA entweder heuer oder Anfang 2008 eine Zinssenkung erwartet. Damit würde sich der Zinsunterschied von derzeit 1,25 Prozentpunkten vergrößern, was für Veranlagungen in den Euro spricht. Überdies sorgt die Immobilienblase in Amerika für Verunsicherung, Kapitalabflüsse und folglich zu einer Schwächung des Dollars.

Erst am Dienstag hatten Ratingagenturen vor den Risiken des Hypothekenkreditmarktes mit geringer Bonität (Subprime Market) gewarnt. Zudem gab der größte Heimwerkermarkt des Landes, Home Depot, wegen des schwachen Wohnungsmarktes eine Gewinnwarnung heraus. Am Mittwoch drückte das weiter auf den Dollar, der nicht nur ein Rekordtief zum Euro, sondern auch zu anderen internationalen Währungen seit 1973, führte. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.7.2007)

  • Was dem Euroraum zumindest nicht schadet, hilft der schwächelnden amerikanischen Wirtschaft.
    foto: standard

    Was dem Euroraum zumindest nicht schadet, hilft der schwächelnden amerikanischen Wirtschaft.

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