800 Millionen Euro mehr für Forschung bis 2010

10. Juli 2007, 16:10
posten

Industriellenvereinigung und Politik wollen Standort Österreich aufwerten: "Mehr unternehmerisches Denken gefragt"

Wien - Dem Standort Österreich geht es gut dieser Tage - die Konjunktur brummt, die Forschungsquote steigt. Doch gerade jetzt dürfe man nicht nachlassen bei Investitionen in Bildung und Innovation, befanden hochrangige Referenten am Montagabend bei einer Veranstaltung der Industriellenvereinigung (IV) im Haus der Industrie in Wien zum Thema Innovationspolitik.

Forschung der Wirtschaft zuliebe unterstützen

IV-Präsident Veit Sorger ist Österreichs "mittelmäßiger Platz" neun beim European Innovation Scoreboard Anlass genug, verstärkte Investitionen in Bildung und Innovation zu fordern. "Permanente Verbesserung" und verstärkte Investitionen in die Forschung hob Wirtschaftsminister Martin Bartenstein als Schlüssel für künftige Innovationen hervor. Mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln von 800 Millionen Euro bis 2010 sollen die Forschungsbasis verbreitert, eine verstärkte Umsetzung der Forschungsergebnisse erreicht sowie die Infrastruktur verbessert werden. Für ausländische Forscher und deren Familien versprach Bartenstein deutliche arbeits- und niederlassungsrechtliche Erleichterungen.

65 Prozent der heimischen Forschungsleistung seien vom Ausland gesteuert, dadurch ergebe sich für Österreich als kleines Land trotz aller Vorteile eine gewisse "Verletzbarkeit", warnte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer. Der Siemens-Konzern selbst habe 2006 763 Millionen Euro an F&E-Ausgaben beigesteuert, also knapp 20 Prozent der unternehmerischen Forschungs-Investitionen in Österreich.

Kultur der "Misserfolgsvermeidung"

Der Präsident des EURAB (European Research Advisory Board) Horst Soboll warnte auch vor drohendem Stillstand in Europas Forschungspolitik. Die Debatten um das geplante Europäische Technologieinstitut (EIT) wertet Soboll als "nützliche Ersatzdiskussion", um die besten Köpfe Europas miteinander zu vernetzen.

Das Vorhaben, ein solches hochkarätiges Institut zu gründen, befindet der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky, zwar für gut. Die thematischen Zielsetzungen seien aber kaum nachvollziehbar: "Das ist reinster Dadaismus." Gute Ideen wie das EIT oder das I.S.T. Austria in Gugging würden häufig daran scheitern, "dass man nicht 'B' sagt", also zu wenig Geld in die Hand nimmt oder optimistische Zielsetzungen im Nachhinein abschwächt, erklärte Skalicky.

"Die Stärken muss man stärken und nicht die Schwächen", appellierte Skalicky an die Forschungspolitik. "Innovation ist ein regionales Geschäft", betonte der TU-Rektor weiters. Trotz globaler Vermarktungsstrategie müsse man Innovationen zuvorderst im eigenen Land "auf die Straße bringen". Eine Kultur der "Misserfolgsvermeidung" ortet Skalicky im noch mangelnden Unternehmertum heimischer Uni-Absolventen.

Unternehmertum erlernbar

"Unternehmertum kann man lernen", zeigte sich dagegen die Vizerektorin der Wirtschaftsuniversität (WU), Barbara Sporn, überzeugt und verwies auf die jüngste Fünfjahresbilanz des Instituts für Entrepreneurship und Innovation an der WU mit 300 Absolventen und fast 850 geschaffenen Arbeitsplätzen. Sporn lobte das System der Forschungsförderung und der Clusterbildung, forderte aber gleichzeitig, die Attraktivität des Standorts weiter zu erhöhen. (APA)

Share if you care.