Porträt: Abdul Rashid Ghazi, für die Scharia und gegen das Laster

17. Juli 2007, 16:09
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Zunehmende Radikalisierung nach Ermordung seines Vaters - Prediger zu Märtyrertod entschlossen

Islamabad - Abdul Rashid Ghazi galt stets als moderat, ruhig und umgänglich. "Er war kein Heißsporn", sagt ein ehemaliger Lehrer über den pakistanischen Prediger. Die Ermordung von Ghazis Vater vor neun Jahren und der Anti-Terror-Kampf der Regierung an der Seite der USA haben den Kleriker der Roten Moschee in Islamabad jedoch zunehmend radikalisiert.

"Vor dem Märtyrertod seines Vaters trug er Hosen und Hemden und einen kleinen Bart", berichtet ein Freund des Geistlichen. Der Vater habe angesichts von Ghazis Auftreten die Stirn gerunzelt. Nach dem Tod des Vaters habe sich Ghazi verändert: "Er wurde zum religiösen Mann". Ghazis Vater Mohammed Abdullah, ein Unterstützer des afghanischen Jihads gegen die Sowjetunion, wurde 1998 erschossen, vermutlich von einem fanatischen Schiiten. Die Söhne übernahmen daraufhin die Leitung der Roten Moschee und der beiden angeschlossenen Koranschulen, die Abdullah seit den 60er Jahren geführt hatte.

Ghazi, der einen Universitätsabschluss in Internationalen Beziehungen in der Tasche hat, und sein älterer Bruder Maulana Abdul Aziz pflegten in den folgenden Jahren Kontakte zu militanten Islamisten. Nach dem Schulterschluss ihrer Regierung mit den USA in Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 machten sie zunehmend gegen Präsident Pervez Musharraf mobil. Die offene Konfrontation folgte 2004: In einer Fatwa - einem religiösen Erlass - verweigerten die Prediger pakistanischen Soldaten, die im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Kaida ihr Leben ließen, das letzte Gebet zur Bestattung.

Die Behörden werfen den Brüdern Kontakte zu einer Reihe verbotener Gruppen vor, darunter Jaish-e-Mohammed und Harkat Jihad-e-Islami. Letztlich war es aber eine 2007 gestartete Kampagne gegen das Laster, die für die Regierung das Fass zum Überlaufen brachte. Ziel war die Einführung der Scharia und die Säuberung vom Bösen: Stöcke schwingende Anhänger Ghazis verschleppten mutmaßliche Prostituierte und bedrohten Musik- und Filmverkäufer. Als Koranschüler kürzlich sieben Chinesen aus einer Akupunktur-Klinik entführten, die die Islamisten als Bordell brandmarkten, fügten sie der Regierung zudem eine peinliche außenpolitische Blamage zu.

Die Anti-Laster-Kampagne der Islamisten wurde immer skurriler. Abdul Aziz setzte im April ein Scharia-Gericht ein und drohte mit tausenden Selbstmordanschlägen, sollte die Regierung gegen ihn vorgehen. In Predigten und Rundfunkansprachen verbreitete er die Überzeugung, dass das verheerende Erdbeben von 2005 mit rund 80.000 Toten eine Strafe Gottes wegen Bordellen in Pakistan gewesen sei. Sein Gericht verhängte außerdem eine Fatwa gegen Tourismusministerin Nilofar Bakhtiar, nachdem ein Pressefoto zeigte, wie sie bei einem Benefiz-Fallschirmspringen in Frankreich einen der Sportler in den Arm nahm.

In der vergangenen Woche eskalierten die Spannungen in Straßenschlachten rund um die Rote Moschee. Tausende Soldaten belagerten tagelang das Gelände, bevor sie am Dienstag die Moschee stürmten, wo der 43-jährige Ghazi bis zum Schluss zum Widerstand entschlossen war. Er sei bereit, als Märtyrer zu sterben, erklärte er. Sein Bruder Abdul Aziz hingegen wurde bereits in der vergangenen Woche verhaftet: Er hatte versucht, aus der Moschee zu fliehen - in Stöckelschuhen und mit einer Burka als Frau verkleidet. (APA/AP)

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