Zweifel an Naturwissenschafter-Mangel

10. Juli 2007, 13:25
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Experte am Rande der Konferenz "FEBS2007": Es gäbe genügend Absolventen, die aber vielfach fachfremd eingesetzt würden

Wien - Zweifel an dem immer wieder kritisierten "Mangel an Naturwissenschaftern" in Europa äußerten Experten am Rande des noch bis Donnerstag stattfindenden Kongresses der Federation of European Biochemical Societies "FEBS2007". Karl Kuchler von den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) und einer der Organisatoren der Veranstaltung ist überzeugt, dass genügend Experten ausgebildet werden, die Absolventen landen aber zum Teil in Jobs außerhalb der Labors.

Alleine an den MFPL - einer Kooperation der Uni Wien und der Medizin-Uni Wien - werden jährlich rund 70 Dissertanten und 120 Diplomanden ausgebildet, berichtete der Wissenschafter. Aber anstatt anschließend die Labors der Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen zu stürmen, starten viele Jungakademiker als Vertreter, Verkaufsrepräsentanten oder gehen in die Verwaltung.

Karriereperspektiven an Unis ein Problem

Als Ursachen sieht Kuchler unter anderem die knappen Ressourcen und problematischen Karriereperspektiven an den Universitäten, dass oft die besten Leute in andere Berufe oder zum Abwandern ins Ausland gezwungen werden. Dabei seien Auslandsaufenthalte zweifellos wichtig, aber anschließend gebe es oft keine Perspektiven zurückzukehren. Dabei sei die Situation an den MFPL noch besser als an klassischen Uni-Instituten. Die Einrichtung ist als private Gesellschaft organisiert, die Hierarchien sind flach.

"Forscher als Unternehmer"

Angehende, hochspezialisierte Molekular- und Mikrobiologen, Genetiker wie Gentechniker sollten zu mehr Selbstständigkeit in jeder Hinsicht getrimmt werden, forderte Kuchler. Persönlichkeitsbildung, Kommunikationsfähigkeit und unternehmerisches Denken, Grundkenntnisse etwa in Sachen Patentrecht, Betriebswirtschaft oder Management sollten auch an den Unis unterrichtet oder wenigstens angeboten werden. Sogenannte Spin-Offs, Unternehmen die von Uni-Forschern gegründet werden, müssten von der Ausnahme, wenn nicht zur Regel, so doch zur Normalität werden. Wie groß die Nachfrage unter Studenten und Jungforschern nach wirtschaftlichen Fähigkeiten ist, zeigt sich laut Kuchler nicht zuletzt bei Veranstaltungen wie "FEBS2007", wenn Workshops etwa zum Thema "Forscher als Unternehmer" angeboten werden. (APA)

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32nd FEBS Congress in Wien
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