Software AG rechnet mit Marktwachstum bis zu 30 Prozent

18. Juli 2007, 10:08
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"Bei den Anwendungen gibt es nur wenige Überschneidungen, im ersten Quartal 2008 wird es nur noch ein gemeinsames Produktportfolio geben"

Die Darmstädter Software AG rechnet mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach ihren Programmen zur Modernisierung von Firmen-EDV. "Das wird in den kommenden fünf Jahren ein Markt mit jährlichen Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent bleiben", sagte Finanzchef Arnd Zinnhardt der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Markt für SOA-Software, die es Firmen erlaubt, verschiedene IT-Anwendungen sinnvoll zu verbinden, sei noch jung. "In dieser Phase machen Übernahmen wenig Sinn, die nur darauf abzielen, den Marktanteil zu erhöhen oder Wettbewerber aus dem Markt zu nehmen", sagte Zinnhardt. In den nächsten Jahren werde sich der Markt aber stark verändern. "Ich bin mir sicher, dass wir in ein bis zwei Jahren Stellen sehen, wo wir nachbessern müssen." Dann seien auch größere Übernahmen wieder denkbar.

Im Frühjahr hatte die Software AG für gut 400 Millionen Euro die ebenso auf SOA-Software spezialisierte US-Softwareschmiede webMethods gekauft. Deren Integration komme gut voran. "Bei den Anwendungen gibt es nur wenige Überschneidungen, im ersten Quartal 2008 wird es nur noch ein gemeinsames Produktportfolio geben", sagte Zinnhardt. Die mit der Übernahme auf 300 Millionen Euro gestiegene Verschuldung will die Software AG bis Jahresende auf 200 Millionen Euro reduzieren.

Die Funktionen seiner SOA-Programme will der nach SAP zweitgrößte deutsche Software-Anbieter auch künftig mit Technologien zugekaufter kleiner Unternehmen erweitern. Die Software AG habe dafür Kreditlinien von 400 Millionen Euro. "Ich könnte im Augenblick mehr Geld bekommen als ich haben will", sagte Zinnhardt.

Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) werde sich durch die Übernahme wie angekündigt zunächst auf 22 (2006: 23) Prozent verschlechtern, sagte Zinnhardt. "Bis 2011 steigt sie dann auf 27 oder 28 Prozent - viel höher wird es danach wohl nicht gehen." Die Steuerquote werde sinken. "Wir rechnen daher mit mehr als einer Verdoppelung des Nachsteuergewinns bis 2011." Bis dahin will die Software AG eine Milliarde (2006: 483 Millionen) Euro umsetzen.

Da das Unternehmen seine Prozesse sehr effizient gemacht habe, sehe er keine Gefahr, dass Investoren für Unruhe sorgen könnten, sagte Zinnhardt. Hedgefonds hielten rund ein Fünftel der Aktien. "Sie haben noch nie versucht, die Firmenstrategie zu beeinflussen." Ihr Augenmerk liege auf hohen Ausschüttungen. In der Vergangenheit habe die Software AG 40 Prozent des Gewinns als Dividende gezahlt.

Die Software AG macht 70 Prozent ihres Umsatzes mit auf Großrechner zugeschnittenen Programmen zur Datenverwaltung (ETS). Da sie in diesem Bereich nur noch mäßige Wachstumschancen sieht, soll die neue SOA-Software "Crossvision" langfristig der Wachstumstreiber werden. Vor allem Behörden und Finanzinstitute testen die Programme schon. Von ihnen erhofft sich die Software AG große Bestellungen. "Die durchschnittliche Auftragsgröße ist bereits von 40.000 Euro vor zwei, drei Jahren auf 150.000 Euro gestiegen - und sie wird weiter zulegen", sagte Zinnhardt. (Reuters)

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