Hilfsorganisationen kritisieren Sarkozys Einwanderungspläne

12. Juli 2007, 15:35
posten

Verstoß gegen Recht auf Familienzusammenführung angeprangert

Paris - In Frankreich ist die Ankündigung von Einwandererquoten und einer stärkeren Auswahl von Immigranten nach wirtschaftlichen Kriterien durch Präsident Nicolas Sarkozy auf Kritik gestoßen. Die Anti-Rassismus-Organisation SOS Racisme erklärte am Dienstag, das Vorhaben stelle die Familienzusammenführung in Frage und werde "zu einer absoluten Begrenzung der Zuwanderungszahlen" führen. Frankreich müsse zu internationalen Verpflichtungen stehen und das Recht anerkennen, dass jeder Mensch mit seiner Familie zusammenzuleben dürfe. Ähnlich äußerten sich auch die Zuwanderer-Hilfsorganisationen Cimade und Gisti.

Sarkozy hatte am Montag seinem Einwanderungsminister Brice Hortefeux den Auftrag gegeben, fortan die Hälfte der Zuwanderer nach den eigenen "wirtschaftlichen Bedürfnissen" Frankreichs auszusuchen. Dagegen soll der Familiennachzug begrenzt werden, der laut der Regierungsstatistik bisher rund 70 Prozent der jährlichen Zuwanderung ausmacht. Laut Hortefeux liegt der Anteil der einwandernden Fachkräfte und Arbeiter in Frankreich bisher nur bei rund sieben Prozent.

Illusorische Quote

Der Einwanderungsexperte des nationalen Forschungszentrums CNRS, Patrick Weil, hielt die nun angestrebte Quote von 50 Prozent wirtschaftlicher Zuwanderung für illusorisch. Dieser Wert werde "in keinem Land der Welt" erreicht, sagte er. Frankreich könne nur dahin kommen, wenn "massiv gegen das Recht auf das Leben in einer normalen Familie verstoßen wird". Selbst in Kanada, wo stark auf eine Auswahl nach volkswirtschaftlichen Kriterien geachtet werde, liege der Anteil dieser Gruppe nur bei 27 Prozent.

Laut Sarkozy soll sich Hortefeux konkret an der Praxis in Großbritannien oder Kanada orientieren, "die Bewerbungen für die Einwanderung nach einer bestimmten Zahl von Kriterien untersuchen (...) und nach ihren Prioritäten entscheiden", schrieb Sarkozy. Auch bei Studenten müsse die Zuwanderungspolitik "tiefgreifend verändert" werden. Dabei gehe es vor allem darum, "ihre Herkunft breiter zu streuen und mehr Studenten aus wissenschaftlichen Disziplinen zu rekrutieren". (APA/AFP)

Share if you care.