Die "Baby-Skorpione" aus Gambia

13. Juli 2007, 10:39
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Achtelfinale größter Erfolg des kleinsten Landes Afrikas - friedliches Miteinander trotz ethnischer/religiöser Vielfalt

Edmonton - Österreichs Fußball-U20-Team bekommt es im WM-Achtelfinale in der Nacht auf Donnerstag (1:45 Uhr/live ORF1) in Edmonton mit "Baby-Skorpionen" zu tun - so lautet der Spitzname der Nachwuchs-Auswahl von Gambia. Dass diese Mannschaft ihren Gegnern durchaus gefährlich werden kann, hat sie in ihren drei Gruppenspielen gezeigt. Einem 0:3 zum Auftakt gegen Mexiko folgten ein 1:0-Erfolg gegen Neuseeland und ein überraschendes 2:1 gegen Portugal, wodurch der zweite Platz in Pool C herausschaute.

"Kleines Land mit großem Herz"

In der Partie gegen die Iberer, deren Star Bruno Gama in diesem Spiel einen Mittelfußknochenbruch erlitt, agierten die Afrikaner über eine halbe Stunde lang in Unterzahl, erzielten in dieser Phase aber dennoch das Siegestor. Rot-Sünder, Kapitän und Innenverteidiger Ken Jammeh, fehlt nun gegen Österreich, was Teamchef Peter Bonu Johnson Sorgen bereitet. "Das ist ärgerlich, denn er ist unser Kapitän und als Innenverteidiger ganz wichtig. Aber ich trainiere ja einen ganzen Kader und nicht nur eine Elf. Daher weiß ich, dass sich sein Vertreter gegen Österreich perfekt einfügen wird", sagte der Coach, dessen Motto "Kleines Land mit großem Herz" lautet.

Der Sieg gegen die Portugiesen und der damit verbundene Aufstieg in die Runde der letzten 16 waren der größte Erfolg in der Fußball-Geschichte Gambias. Noch nie hat sich das mit 11.300 Quadratkilometern (1,4 Millionen Einwohner) kleinste Land des Kontinents für eine A-WM qualifiziert, dank des Programms "Get them young", das im Hinblick auf die afrikanische U17-Meisterschaft 2005 im eigenen Land entwickelt worden war, ging es aber in den vergangenen Jahren zumindest im Nachwuchs-Bereich bergauf.

Talent-Suche macht sich bezahlt

2001 hatte der nationale Verband beschlossen, in den Schulen unter den 12- bis 13-Jährigen nach Talenten zu suchen. Mit Unterstützung eines Goal-Projekts der FIFA wurden in der Hauptstadt Banjul zudem Einrichtungen für die Jugendmannschaften errichtet.

Der Erfolg stellte sich prompt ein, denn die Gambier gewannen die kontinentale U17-Meisterschaft und lösten damit das Ticket für die U17-WM 2005 in Peru. Bei diesem Turnier sorgten die Jung-Kicker gleich für Furore: Zum Auftakt wurde der damalige Titelverteidiger und spätere Finalist Brasilien 3:1 besiegt, doch trotz eines weiteren 3:1-Sieges gegen Katar mussten die "Baby-Skorpione" als Gruppen-Dritter Abschied nehmen.

"Ein gutes Gemeinschaftsgefühl"

Die Mannschaft von damals ist mit jener, die nun gegen Österreich antritt, praktisch identisch und soll schon bald das Gerüst des A-Teams bilden. Laut Tijan Jaiteh, beim norwegischen Club Brann Bergen engagierter Mittelfeldspieler und neben dem zweifachen Turnier-Torschützen Ousman Jallow Star der Mannschaft, ist der außergewöhnliche Teamgeist das Erfolgsgeheimnis seiner Truppe. "Wir arbeiten sehr hart und haben ein gutes Gemeinschaftsgefühl. Wir sind wie Brüder und spielen jetzt bereits seit mehr als vier Jahren zusammen. Wir kennen uns in- und auswendig und sind auch abseits des Spielfeldes Freunde. Das sind Dinge, die in schwierigen Situationen sehr wichtig sind."

Dieser Zusammenhalt überwindet beim ÖFB-Gegner, der als Dritter der afrikanischen U20-Meisterschaft die Qualifikation für Kanada schaffte, religiöse und ethnische Grenzen. Im westafrikanischen Land sind rund 90 Prozent der Einwohner Muslime und knapp zehn Prozent Christen, sie leben ebenso friedlich miteinander wie die zahlreichen Volksgruppen. Gleich 14 anerkannte Stammessprachen gibt es in Gambia, offizielle Amtssprache ist nach wie vor Englisch, obwohl die Gambier bereits 1965 die Unabhängigkeit von Großbritannien erreichten. (APA)

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    Der Sieg gegen Portugal war ein historischer Erfolg für die Kicker aus Gambia.

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