Gludovatz sieht Chancen bei 50:50

12. Juli 2007, 07:21
159 Postings

Coach zeigt Respekt vor Achtelfinal-Gegner Gam­bia: "Nicht mit Kongo zu vergleichen" - Tormann-Frage noch nicht offiziell geklärt

Edmonton - Laut Österreichs Fußball-U20-Teamchef Paul Gludovatz gibt es im Junioren-WM-Achtelfinal-Duell zwischen dem ÖFB-Team und Gambia keinen klaren Favoriten. "Die Chancen stehen 50:50", betonte der 61-Jährige vor dem Match in der Nacht auf Donnerstag (01:45 Uhr MESZ/live ORF1) in Edmonton. Gludovatz zeigt vor den Afrikanern Respekt, hat aber nach dem Einzug in die Runde der letzten 16 - dem größten Erfolg einer österreichischen Nachwuchs-Elf überhaupt - Appetit auf mehr.

"Alles, was jetzt kommt, ist Draufgabe"

"Mir bedeutet das Achtelfinale schon sehr viel, alles, was jetzt kommt, ist Draufgabe. Aber nach solchen Erfolgen möchte ich das Turnier nicht mit einem negativen Beigeschmack verlassen", betonte der Burgenländer. Über den Gegner informierte sich der Coach unter anderem durch das Studium des überraschenden 2:1-Sieges der Gambier gegen Portugal. Außerdem bekam Gludovatz auch noch Tipps von Salzburg-Nachwuchs-Chef Heinz Hochhauser, dem Technischen ÖFB-Direktor Willi Ruttensteiner und dem Tiroler FIFA-Manager Nick Neururer, die bei den Gruppenspielen des Dritten der Afrika-Meisterschaft im Stadion gesessen waren.

"Spielen ein konsequentes 4-2-3-1"

Seine "Spione" warnten Gludovatz vor den Gambiern. "Sie spielen ein konsequentes 4-2-3-1, haben in Ousman Jallow einen echten Top-Stürmer, zwei technisch versierte Flügelspieler und zwei zentrale Mittelfeldspieler, die in Norwegen engagiert sind", erzählte der Teamchef. Mit der Mannschaft des Kongo, gegen die das ÖFB-Team zum Auftakt ein 1:1 erreicht hatte, seien die Westafrikaner nicht zu vergleichen. "Sie unterscheiden sich durch ihre europäische Spielweise stark vom Kongo, spielen sehr körperbetont."

"Körperlich dagegenhalten"

Daher sind bei seinen Schützlingen Steher-Qualitäten gefragt. "Wir müssen körperlich dagegenhalten und unsere spielerischen Mittel einsetzen. Ein möglicher Erfolg wird wieder von unserem Willen abhängig sein, den Gegner unter Druck zu setzen." Im Falle eines Auftretens wie zuletzt gegen Chile ist ein Aufstieg ins Viertelfinale, wo am Samstag in Toronto entweder das US-Team oder Uruguay warten würde, durchaus realistisch, das weiß auch Gludovatz. "Aber ich weiß nicht, ob wir wieder so eine Leistung bringen können."

Kritik am Spielplan

Deutlich mehr als schlechte Platzverhältnisse und hohe Temperaturen stört den Burgenländer der Spielplan. Seine Elf muss permanent im Drei-Tages-Rhythmus antreten, dazu kommen mühsame Vier-Stunden-Flüge von Edmonton nach Toronto und retour. Andere Teams hingegen haben nach dem Abschluss der Gruppenphase bis zu fünf Tagen Pause. "Diesbezüglich sind wir klar benachteiligt. Ich weiß nicht, wie es der FIFA einfallen kann, dass eine Mannschaft als Letzter ins Turnier einsteigt und das erste Achtelfinale bestreitet."

Kaum Zeit zu regenerieren

Das Turnier hatte am Samstag vor einer Woche begonnen, Österreich startete erst am darauffolgenden Montag. "Wir haben einen 72-Stunden-Rhythmus und können nicht regenerieren", ärgerte sich Gludovatz. "Derzeit sind wir in einem emotionalen Hoch, aber wir können uns gar nicht richtig freuen, weil wir uns schon aufs nächste Spiel vorbereiten müssen."

Es wird voraus geplant

Die Planungen gehen freilich über das Gambia-Match hinaus. "Wir trainieren schon auf ein mögliches Viertelfinale am Samstag hin, und wenn wir gegen Gambia gewinnen, bereiten wir uns auch auf das Semifinale vor."

"Wer physisch besser beisammen ist..."

Bevor es so weit ist, muss Gludovatz aber erst die richtige Mischung für einen Erfolg gegen die Afrikaner finden. "Wer physisch besser beisammen ist, hat bessere Chancen auf einen Einsatz", sagte der Coach, der sich in punkto taktischer Ausrichtung ebenso bedeckt hielt wie in der Tormann-Frage.

Tormann-Frage

In der ersten Partie gegen Kongo (1:1) stand Zaglmair (LASK) im Tor, gegen Kanada (1:0) war Lukse (Rapid) im Einsatz und zuletzt hielt Kuru (Asutria) gegen Chile (0:0) seinen Kasten sauber. Das etwas unorthodoxe Goalie-Wechselspiel hat sich bisher bezahlt gemacht, ist Gludovatz überzeugt. "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir überzeugt sind, dass es richtig ist." So liegen laut Teamchef die Stärken von Lukse bei Flanken, wodurch er gegen Kanada seine Chance bekam, Kuru wiederum hat auf der Linie seine Qualitäten und stand deswegen gegen Chile im Tor.

"Wir haben eben drei sehr gute Goalies"

Tormann-Trainer Manfred Kohlbacher gab zwar zu, dass der ständige Keeper-Wechsel während eines Turniers "nicht normal" ist, von der Richtigkeit dieser Maßnahme ist er aber dennoch überzeugt. "Wir haben eben drei sehr gute Goalies, aber keinen Einser-Tormann", so Kohlbacher. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Paul Gludovatz

Share if you care.