Patentdiskussion wird schlagend: Samba steigt auf die GPLv3 um

20. September 2007, 11:36
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Übernimmt als erstes großes Open Source-Projekt die neue Version der freien Lizenz - Probleme für Linspire, Xandros und eventuell auch Microsoft

Vor kurzem wurde die neue Version der freien GNU General Public License fertiggestellt: Die GPLv3 versteht sich vor allem als logische Weiterentwicklung der GPLv2, bietet dabei auch eine Reihe von im Vorfeld ausführlich diskutierten neuen Bereichen, etwa wenn es um Patente oder DRM geht.

Samaba

Mit dem Samba-Team hat nun das erste große Open Source-Projekt den Umstieg auf die GPLv3 verkündet. Bereits ab der kommenden Version wird aller Code des freien Druck- und Fileservers ausschließlich unter der neuen Version der freien Lizenz angeboten. Damit dies auch klar herausgestrichen wird, wird die Versionsnummer vom eigentlich geplanten 3.0.26 auf 3.2 angehoben.

Vorgeschichte

Dass gerade das Samba-Projekt den Vorreiter für die GPLv3 abgibt, ist wenig überraschend. Hatte sich doch Projektleiter Jeremy Allison vor wenigen Monaten unter Verärgerung über das Patentabkommen zwischen Microsoft und Novell lautstark in Richtung Google verabschiedet.

Entstehung

Eine Abmachung, die auch maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung der GPLv3 hatte, die fertige Version der Lizenz untersagt solche Kooperationen nun ausdrücklich. Wer ein entpsrechendes Abkommen eingeht, verliert das Recht weiterhin GPLv3-Software zu vertreiben.

Ausschluss

Ein Absatz, der durch den Umstieg von Samba nun schlagend wird. Unternehmen, die solche Linux-Patentabkommen eingegangen sind, bleibt nur den Samba Source-Code vor dem Lizenzwechsel abzuzweigen und selbst unter der GPLv2 weiter zu warten. Novell selbst ist davon allerdings nicht betroffen, die GPLv3 setzt hier den Stichtag mit 28. März 2007, das Abkommen mit Microsoft war aber Monate zuvor.

Erwischt

Sehr wohl davon betroffen sind allerdings die beiden Linux-Distributoren Linspire und Xandros: Beide hatten erst unlängst - und damit nach dem Stichtag - ähnliche Patentabkommen mit Microsoft verlautbart.

Auswirkung

Aber auch auf Novell könnte das Ganze noch Auswirkungen haben, wenn auch über die Hintertür. So könnte es durchaus sein, dass Microsoft versucht aus dem Abkommen so bald wie möglich herauszukommen, da es bislang unbedachte negative Auswirkungen für den Softwarekonzern haben könnte.

Verbreitung

Denn durch die Verbreitung von SUSE Linux könnte Microsoft selbst unter die Lizenzbedingungen der Software fallen. Im konkreten Fall von GPLv3-Software würde dies bedeuten, auch auf alle Patentansprüche im Zusammenhang mit den einzelnen Programmen zu verzichten.

Nerven

Eine Einschätzung, die man bei Microsoft zwar offiziell ablehnt, die aber den Konzern auch ungewohnt Nerven zeigen lässt: So hat man unlängst GPLv3-Software von künftigen Updates des vertriebenen SUSE Linux ausgenommen.

Keine Einschränkung

Ob dies ausreichen wird, um sich aus der Patent-Zwickmühle zu befreien, ist allerdings fraglich. Novell hat bereits angekündigt, keine abgespeckten Versionen von SUSE Linux - also ohne GPLv3-Software - für Microsoft produzieren zu wollen.

Coupons

Zusätzlich haben die von den Redmondern bereits verkauften Coupons kein Ablaufdatum, einige davon werden also wohl noch nach der Auslieferung einer SUSE-Version mit GPLv3-Software eingelöst werden. Ein weiterer Faktor ist, dass die GPLv3 den Begriff der "Verbreitung" wesentlich weiter fasst als die Vorgängerversion.

Argumente

Neben der klassischen "Distribution" reichen auch schon unterstützende Tätigkeiten, um unter die freie Lizenz zu fallen. Das Argument, dass ja eigentlich Novell der Distributor der Software sei, könnte also nicht ausreichend sein. Eins ist aber zumindest sicher: Die Diskussion wird wohl in den kommenden Monaten noch zahlreiche RechtsexpertInnen beschäftigen, allen voran bei Microsoft. (apo)

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    foto: marco terranova / marco terranova
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