Temelin: Prager Atombehörde weist Vorwürfe zurück

10. Juli 2007, 20:50
2 Postings

SUJB-Chefin Drabova erklärt Differenz mit Änderung beim Status von Zwischenfällen

Prag - Die tschechische Behörde für Atomsicherheit (SUJB) hat Vorwürfe österreichischer Atomgegner zurückgewiesen, Prag habe in den vergangenen sieben Jahren elf von 20 Störungen im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin gegenüber Wien verheimlicht. "Die Tschechische Republik hat definitiv keine Abkommen gebrochen, die es mit Österreich unterzeichnet hat," sagte SUJB-Chefin Dana Drabova am Montag in Anspielung auf das Melker Protokoll, das eine Informationspflicht Tschechiens bei allen Vorkommnissen ab Stufe eins der bis sieben reichenden Internationalen AKW-Störfallskala (INES) vorsieht.

Drabova räumte ein, dass die Atombehörde öfter den Status eines Zwischenfalls rückwirkend ändere, manchmal auch erst nach Monaten. In diesen Fällen hat die Bestimmung des Melker Protokolls, die eine Information innerhalb von 72 Stunden nach einem INES-1-Ereignis ("Störung") oder höher vorsieht, natürlich keinen Sinn mehr, weil man ja die Zeit nicht zurückdrehen kann. Die SUJB-Direktorin wies darauf hin, dass es international erst ab einem Ereignis der Stufe 2 ("Störfall") üblich sei, die Nachbarländer von dem Ereignis in Kenntnis zu setzen.

Unterscheidung

Die nachträgliche Einstufung von zunächst nicht gemeldeten Zwischenfällen als INES-1-Ereignis erklärte Drabova damit, dass eine Unterscheidung zwischen Stufe 0 (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung) und Stufe 1 (Störung des normalen Betriebs der Anlage, aber ohne Austreten von Radioaktivität innerhalb oder außerhalb des Reaktors) "sehr schwierig" sei. Die von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) ausgearbeitete Skala enthält drei Stufen für Störfälle (1-3) und vier für Unfälle (4-7), wobei die höchste Stufe einen "katastrophalen Unfall" (GAU) wie jenen im Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahr 1986 bezeichnet. (APA/CTK)

Share if you care.