Satellitenbilder zeigen Tunnelbau bei iranischer Atomanlage

17. Juli 2007, 16:08
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Teheran: "Jede Garantie" für friedliches Atomprogramm - Gouverneursrat entsendet Inspektoren in den nächsten Wochen - ElBaradei: "Iran verlangsamt Urananreicherung"

Wien/Washington/Jerusalem, 09. Jul - Der Iran baut einer am Montag veröffentlichten Studie zufolge Tunnelanlagen bei seiner wichtigsten Atomanlage Natans. Dies könnte möglicherweise dazu dienen, wichtige Bestandteile für die Urananreicherung bei einem Luftangriff in Sicherheit zu bringen, schrieben die Experten des Institute for Science and International Security (ISIS). Sie bezogen sich dabei auf Satellitenbilder vom 11. Juni, auf denen der Bau von Straßen zu einem Berg zu sehen ist, der sich in der Nähe von Natans befindet. Die Tunneleingänge selbst seien auf dem Bild nicht zu erkennen, allerdings führe eine der Straßen offensichtlich in den Hang hinein. Die Bauarbeiten seien auf Satellitenbildern, die im Januar aufgenommen worden waren, noch nicht sichtbar gewesen.

Möglicherweise Verstecke

Ähnliche Tunnel existierten bereits bei der Atomanlage Esfahan, hieß es in der Studie weiter. In ihnen könnten etwa wichtige Geräte zur Anreicherung von Uran versteckt werden. Angereichertes Uran wird sowohl für die Nutzung der Kernenergie als auch für den Bau von Atomwaffen gebraucht. Der Westen wirft der Regierung in Teheran vor, nach Atombomben zu streben, was der Iran jedoch bestreitet. Trotz mehrerer UN-Sanktionen hält die Islamische Republik an der Urananreicherung fest.

Verhandlungsbereitschaft

Unterdessen betont der Iran seine Verhandlungsbereitschaft. Nach den Worten seines Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IEAO), Ali Asghar Soltanieh, sei Teheran bereit "jede notwendige Garantie hinsichtlich der friedlichen Natur seines Atomprogramms" abzugeben. Teheran werde auch in Zukunft nicht von diesem Weg abweichen, versicherte Soltanieh in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA.

Der Iran habe in einem Akt guten Willens und über seine legalen Verpflichtungen hinaus Verhandlungen darüber akzeptiert, wie die wichtigen offenen Fragen bezüglich des Atomprogramms geklärt werden könnten, betonte der Botschafter. Ziel der am Dienstag beginnenden Iran-Mission einer IAEO-Delegation sei, ein entsprechendes Programm dafür vorzulegen.

Dabei wird IAEO-Vizedirektor Olli Heinonen gemäß einer vor zwei Wochen zwischen dem iranischen Chefunterhändler Ali Larijani und IAEO-Direktor Mohamed ElBaradei getroffenen Vereinbarung nach Teheran reisen. Soltanieh rief den UNO-Sicherheitsrat auf, dafür zu sorgen, dass das iranische Atomdossier umgehend an "die auf diesem Gebiet kompetente Behörde", die IAEO, zurückverwiesen werde.

ElBaradei: Iran verlangsamt Anreicherungsprogramm

Zuvor hatte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed ElBaradei, in Wien bekannt gegeben, der Iran habe in den vergangenen Wochen sein umstrittenes Programm zum Aufbau einer großen Urananreicherungsanlage "deutlich spürbar" zurückgefahren. "Unsere Inspekteure haben bei Kontrollen in den vergangenen Wochen eine spürbare Verlangsamung bei der Inbetriebnahme neuer Gaszentrifugen festgestellt", sagte ElBaradei nach einer Sondersitzung des IAEO-Gouverneursrats.

Dies sei "ein Schritt in die richtige Richtung", sagte ElBaradei. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob Teheran seine Zusage gegenüber der IAEO einhalten und alle noch ausstehenden Fragen im Hinblick auf sein Jahrzehnte geheim gehaltenes Atomprogramm aufklären werde. Der Technische Direktor der IAEO, Olli Heinonen, reist an diesem Dienstag nach Teheran, wo er auch mit dem iranischen Chefunterhändler Ali Larijani zusammentreffen wird.

Die UNO wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung nach Atomwaffen zu streben und haben ihn wegen der Nichtbefolgung von Resolutionen mit Sanktionen belegt. Der Iran bestreitet das. Der Westen hat erhebliche Zweifel an der rein friedlichen Natur des iranischen Atomprogramms. Wegen der fortgesetzten Weigerung des Iran, trotz zweier Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates die Uran-Anreicherung auszusetzen, drohen Teheran verschärfte Sanktionen. Zudem fordert die IAEO vom Iran die Klärung offener Fragen hinsichtlich der nuklearen Aktitäten des Landes. (APA/dpa/Reuters)

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