Bozen: Streit um Straße für verstorbenen Grünen-Politiker Langer

20. Juli 2007, 11:33
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Vorschlag entzweit die Südtiroler Volkspartei, die von ihm wegen deren ethnischer Trennungspolitik in Südtirol heftig angegriffen wurde

Der 1995 verstorbene Grünen-Politiker Alexander Langer sorgt posthum in Südtirol für heftige politische Kontroversen. Der Vorschlag, in Langers Heimatstadt Bozen eine Straße nach dem langjährigen EU-Parlamentarier und Pazifisten zu benennen, entzweit die Südtiroler Volkspartei, die ehemals vor allem von Langer wegen deren ethnischer Trennungspolitik in Südtirol heftig angegriffen wurde. Erbitterter Gegner einer Langer-Straße ist unter anderem Oswald Ellecosta, Sprecher der SVP Bozen. Er führt allerdings keine politischen Argumente gegen die Namensgebung an, sondern äußert moralische Bedenken: Es gebe in seiner Partei sicher keine Mehrheit dafür, eine Straße nach jemandem zu benennen, der sich das Leben genommen hat, so Ellecosta.

Langer, zentrale Figur der Südtiroler 68er, Mitbegründer der italienischen Grünen und Vermittler im Bosnien- und Kosovo-Konflikt hatte sich im Juli des Jahres 1995, 49-jährig, in einem Olivenhain bei Florenz erhängt: "Die Lasten sind mir zu schwer geworden. Macht weiter, was gut war", so sein letzter Aufruf kurz vor seinem Freitod. Mittlerweile wird jährlich von der nach ihm benannten Stiftung ein internationaler Alexander-Langer-Preis vergeben: Erst vergangene Woche konnte der südafrikanischen Anti-Aids-Aktivist Zackie Achmat die Auszeichnung für das Jahr 2007 entgegen nehmen.

"Verdient sich Bozen überhaupt eine Langer-Straße?", fragt unterdessen Langers ehemaliger Parteikollege im Südtiroler Landtag Arnold Tribus, mittlerweile Herausgeber der Neuen Südtiroler Tageszeitung: "Eine Stadt, die sich mehrheitlich gegen eine Umbenennung des faschistischen 'Siegesplatzes' in Friedensplatz ausgesprochen hat." Übrigens, so Tribus, in Bozen gebe es auch eine Adalbert Stifter-Schule; wer aber wisse schon, dass sich dieser die Pulsadern aufgeschnitten hat.

Die Kontroverse um eine Bozener Alexander-Langer-Straße, wie sie es etwa auch in Rimini gibt, hat mittlerweile die gesamte Region erfasst. SVP-Parlamentarier und Ex-Parteiobmann Siegfried Brugger etwa meint: "Die SVP hat eigene Namen". Und nannte umgehend als Beispiel den seines Vaters. Peter Brugger war in den 1960er-Jahren Kopf der Autonomie-Gegner in der SVP sowie Kontaktperson zu den Südtirol-Attentätern und als solcher der innerparteiliche Widersacher von Landeshauptmann Silvius Magnago.

Dessen Nachfolger in der Position des Landeshauptmannes, SVP-Politiker Luis Durnwalder, hingegen hätte "nichts einzuwenden" gegen eine Alexander-Langer-Straße: "Er war eine Persönlichkeit", sagt Durnwalder. Bergsteiger Reinhold Messner, der Alexander Langer politisch nahe stand, findet: "Eine Straße ist zu wenig. Nach einem unserer besten Köpfe sollte die Universität Bozen benannt werden."

So wie der unter Mussolini errichtete "Siegesplatz" (samt Denkmal), der die Annexion Südtirols am Ende des Ersten Weltkriegs wach hält, erinnern auch heute noch andere Straßen Bozens heldenhaft an den Faschismus: etwa an die italienischen Kolonien in Libyen ("Tripoli-Straße") und an den Krieg in Abessinien mit der "Amba Alagi"-Straße - so heißt der 1936 von Mussolinis Truppen eroberte Berg im heutigen Äthiopien. (Benedikt Sauer aus Bozen/DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2007)

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