UNO-Tribunal: Del Ponte mahnt Montenegro zu intensiverer Kooperation

10. Juli 2007, 16:52
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Nach Festnahme eines serbischen Polizeifunktionärs Mitte Juni

Podgorica/Belgrad - Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY), Carla del Ponte, hat am Montag die montenegrinischen Behörden aufgefordert, die Zusammenarbeit mit dem internationalen Haager Gericht zu intensivieren. Sie sei nach Podgorica gekommen, um eine Konkretisierung der Zusammenarbeit zu besprechen, sagte Del Ponte, nachdem sie von Präsident FiIip Vujanovic empfangen worden war.

Die Chefanklägerin verwies auf die Festnahme eines früheren serbischen Polizeifunktionärs Mitte Juni in der montenegrinischen Küstenstadt Budva. Vlastimir Djordjevic hatte sich dort nach ihren Angaben "längere Zeit" unter dem Familiennamen Karadzic versteckt. Man wolle einen Weg finden, "damit so etwas künftig nicht mehr vorkommt und alle Karadzics unter die Lupe genommen werden, um vielleicht den richtigen festzunehmen", meinte Del Ponte auch mit Blick auf den nach wie vor flüchtigen ehemaligen politischen Führer Radovan Karadzic.

Karadzic ist ein gebürtiger Montenegriner. Del Ponte meinte, sie habe derzeit keine Informationen über mögliche Verstecke Karadzics. Sie schließt allerdings nicht aus, dass er sich zeitweise auch in Montenegro versteckt hält.

Präsident Vujanovic bestätigte seinerseits, dass Del Ponte von der montenegrinischen Polizei eine engere Zusammenarbeit mit den serbischen Behörden bei der Fahndung nach flüchtigen Haager Angeklagten forderte. Auf der Flucht befinden sich insgesamt noch vier mutmaßliche Kriegsverbrecher, darunter neben Karadzic auch der einstige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic. (APA)

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