Zehn kleine Fingerlein

31. Juli 2007, 18:53
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Alain Platel, Fumiyo Ikeda und Benjamin Verdonck über die Perversität des Krieges

Alain Platel tritt nach seinen großprospektischen Arbeiten (Wolf und vsprs) nun im kreativen Trio in Erscheinung. Gemeinsam mit der Tänzerin Fumiyo Ikeda und dem Schauspieler Benjamin Verdonck thematisiert der Belgier die Perversität des Krieges.

Nine Finger ist eine narrative Arbeit, basierend auf dem Buch Beasts of No Nation von Uzodinma Iweala, einem aus Nigeria stammenden Amerikaner, der aus der Perspektive eines Kindes die fatale Zwangsrekrutierung minderjähriger Soldaten in Afrika beschreibt. Der Titel Nine Finger verweist auf das brutale Prinzip des Auszählreims; er signalisiert, dass etwas schmerzlich fehlt.

Die Spur der Beschädigungen zieht sich in dieser intimen, auf eine Initiative Ikedas zurückgehenden Arbeit über die Sprache in die Körper und umgekehrt. Der erzählerische Gestus bricht sich an den recht konträren Darstellungsmitteln der beiden Performer: Ikeda, die aus Osaka gebürtige langjährige geschmeidige Rosas-Tänzerin, ist konfrontiert mit einem bewegungspanischen Schauspieler, der nicht ohne Grund als eine der derzeit eigenwilligsten künstlerischen Persönlichkeiten Belgiens bezeichnet wird.

Verdonck hat an einschlägigen Adressen sein Handwerk gelernt, war bei Hollandia, bei Dood Paard und hat mit solistischen künstlerischen Interventionen die Öffentlichkeit irritiert. Er hat die Literaturvorlage eingebracht. (afze, DER STANDARD/Printausgabe, 10.07.2007)

>> "Nine Finger", Schauspielhaus, 17. bis 19. 7., 21.00
  • "Nine Finger":Benjamin Verdonck mit Fumiyo Ikeda in einer intensiven Arbeit über Krieg und Kinder als Soldaten.
    foto: sorgeloos

    "Nine Finger":Benjamin Verdonck mit Fumiyo Ikeda in einer intensiven Arbeit über Krieg und Kinder als Soldaten.

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