Experte: Iran hat nur bescheidene Uranreserven

17. Juli 2007, 16:08
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Früherer Chef des Planungsstab des deutschen Verteidigungsministeriums Rühle: Atomprogramm hat keine wirtschaftlich sinnvolle Grundlage

Zürich/Wien - Nach Ansicht des deutschen Experten Hans Rühle gibt es für das iranische Atomprogramm keine wirtschaftlich sinnvolle Grundlage. Dazu verfüge der Iran über zu geringe Uran-Reserven, schrieb der ehemalige Chef des Planungsstabes im deutschen Verteidigungsministerium in einem Gastbeitrag in der "Neuen Zürcher Zeitung" (Wochenendausgabe). Daher seien Zweifel an den friedlichen Absichten der iranischen Nuklearpolitik mehr als angebracht.

Rühe wies in seinem Beitrag auf die nachgewiesenen iranischen Energiereserven hin: "Unter der Annahme eines konstanten Verbrauchs reichen die Ölreserven noch etwa 90 Jahre; die gesicherten Vorräte an Erdgas liegen bei 220 Jahren; die Reserven an abbaubarem Uranerz sind dagegen eher bescheiden."

Der Iran beabsichtige zusätzlich zu dem kurz vor der Fertigstellung stehenden Reaktor in Bushehr weitere gleichartige Anlagen in den nächsten 15 Jahren zu bauen. Das iranische Parlament habe im März 2005 den Bau weiterer 13 Reaktoren mit einer Leistung von je 1000 Megawatt, derselben Leistung wie Bushehr, beschlossen.

Ein Reaktor dieses Typs benötige pro Jahr 22 Tonnen auf 4,4 Prozent angereicherten Urans, schrieb der Experte unter Berufung auf die Internationale Atomenergiebehörde IAEA (IAEO). "Da der Anteil von Uran im Erz 553 Gramm pro Tonne beträgt, bedeutet dies einen Umsatz von 450.000 Tonnen Uranerz für einen Reaktor pro Jahr."

Gehe man mit der iranischen Regierung von der Annahme aus, dass sieben Reaktoren im Jahr 2020 in Betrieb seien, dann wären die nachgewiesenen iranischen Uranvorräte schon im Jahr 2012 mit dem Betrieb von drei Reaktoren erschöpft. Bei einer Berechnung auf der Grundlage der von der IAEO vermuteten Uranreserven des Iran ergebe sich, dass im Jahr 2023 auch die vermuteten Reserven aufgebraucht wären.

"Vor diesem Hintergrund lässt sich daher feststellen, dass Iran mangels ausreichender Uranvorkommen bereits mittelfristig auf Importe angewiesen ist, um seine Reaktoren betreiben zu können." Doch gebe es darüber hinaus andere ökonomische Argumente, die den Einsatz von Nuklearenergie auch dann sinnvoll erscheinen lasse, wenn das gesamte benötigte Uran importiert werden müsse, fragt der Experte. (APA)

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