Analysten: Liquidität treibt an

9. Juli 2007, 18:39
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Erste Bank-Analyst Mostböck: Börse weiter attraktiv bewertet - UniCredit-Analyst Mostböck: Gewinnpotenzial begrenzt

Wien - Heimische Analysten haben die jüngste Rekordjagd in Wien mit der anhaltend guten Liquidität an den Weltbörsen und der weltweiten guten Nachfrage nach Aktien erklärt. Der Wiener Leitindex ATX hatte am Montag in der Früh erstmals die Marke von fünftausend Punkten überwunden. Analysten sprachen von einer psychologische Barriere, fundamental sei die Marke aber genauso bedeutend wie jeder andere Rekordstand auch.

"Es ist natürlich magisch wenn eine Tausender Schwelle überschritten wird, aber es ist nicht anders zu werten wie jeder anderer Rekordstand auch", meinte der Chefanalyst der UniCredit (CA IB) Alfred Reisenberger. Zumindest zeige der Rekord, dass der ATX weiter in Schwung ist. Auch für Erste Bank-Chefanalyst Friedrick Mostböck habe die runde Fünftausender-Marke keine Bedeutung, außer einer rein psychologischen. Die runden Fünftausend hätten auch charttechnisch keine besondere Bedeutung, so der Experte.

Die beiden Analysten erklärten die jüngsten Kursgewinne vor allem mit der weiter guten Liquidität an den internationalen Börsen. Zudem hätte auch eine Welle an Übernahmen neue Kursfantasie an die Weltbörsen gebracht, erklärte Reisenberger. "Die Investoren beginnen den Markt danach abzugrasen, wer ein Übernahmekandidat sein kann", so der Analyst. Von diesen Übernahmespekulationen habe auch Wien profitiert.

Die weiteren Aussichten für den Markt sehen die Analysten positiv. "Die Börse ist weiter attraktiv bewertet", so Mostböck. Reisenberger hält zwar leichte Gewinne für möglich, der Platz nach oben dürfte aber vorerst beschränkt sein. "Der ATX wird nicht wie ein warmes Messer durch Butter durch gehen in Richtung der nächsten Tausender-Marke", so der Experte.

Voerst in der Nähe

Kurzfristig sieht Reisenberger den ATX vorerst in der Nähe der 5.000-Punkte verharren. Maßgeblich dafür sei vor allem das internationale Umfeld. "Man sieht, dass sich auch der DAX schwer tut mit den 8.000 Punkten", so der Analyst. Der deutsche Leitindex DAX notiert bereits seit mehreren Tagen in der Nähe von 8.000 Punkten und damit knapp unter seinem im Jahr 2000 erreichten Allzeithoch von 8.136 Zählern.

Längerfristig ist Reisenberger aber vorsichtig optimistisch: "Aus heutigem Wissenstand kann der Markt noch laufen, aber nicht allzu viel." Der ATX dürfte sich seitwärts bis leicht hinauf bewegen. Das Gewinnwachstum der heimischen Unternehmen sei weiter hoch, die im Sommer anstehende Berichtssaison für das zweite Quartal dürfte dies aber bestätigen. Zu einem großen Teil dürfte die guten Gewinne aber schon in den Kursen eingepreist sein, so der Analyst. Für stärkere Kursgewinne seien damit auch positive Überraschungen bei der Berichtssaison nötig. "Wir glauben, dass schon viel eingepreist ist, es kann aber natürlich zu Überraschungen kommen", so Reisenberger.

Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten die UniCredit-Analysten den ATX bei 5.350 Punkten und damit rund sieben Prozent über den aktuellen Niveaus. Für ein Ende der rasanten Kursrally spreche die gute Liquidität am Markt, dies sei oft ein Zeichen für die Endphase eines "Bullenmarktes", so Reisenberger. Zudem werden viele negative Faktoren wie etwa der hohe Rohölpreis derzeit an den Märkten ignoriert. "Der Ölpreis nähert sich seinem Allzeithoch, das wird aber nicht wirklich wahr genommen", warnt Reisenberger. (APA)

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