"Schlecht geschriebener Code ist ein Klimakiller"

18. Oktober 2007, 12:41
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Die Gefahren des Klimawandels können die IT-Branche nicht kalt lassen - Berliner Unternehmen geht neue Wege

Die Gefahren des Klimawandels können die IT-Branche nicht kalt lassen. Intel, Microsoft, Google und Co haben sich daher zu einer "Computing-Initiative der Klimaschützer" zusammengeschlossen. Einen eigenen Weg geht das Berliner Internet-Unternehmen Strato, das für den Betrieb seiner Rechenzentren ab Anfang nächsten Jahres nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen verwenden will.

"Man nimmt es als Verbraucher gar nicht wahr, dass das Internet Strom verbraucht"

"Man nimmt es als Verbraucher gar nicht wahr, dass das Internet Strom verbraucht", sagt Strato-Vorstandschef Damian Schmidt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Schließlich machen digitale Informationen im Vergleich zu Autos und Flugzeugen einen ziemlich sauberen Eindruck. Aber auch die Internet-Nutzung ist mit der Emission einer erheblichen Menge von Treibhausgasen verbunden. Der 24-Stunden-Betrieb eines Web-Servers mit einer Leistungsaufnahme von rund 350 Watt benötigt viel Strom. Und der kommt meist aus Kohlekraftwerken.

"Wir wollen null Emission"

Die beiden Strato-Rechenzentren in Berlin und Karlsruhe verbrauchen nach Angaben Schmidts 30 Gigawattstunden im Jahr – und sind für einen Kohlendioxid-Ausstoß von 15.000 Tonnen verantwortlich. "Wir wollen null Emission", sagt Schmidt. Strato habe deswegen seinen Liefervertrag mit dem bisherigen Versorger EnBW gekündigt und einen neuen Vertrag mit der NaturEnergie AG geschlossen, die ihren Strom in Wasserkraftwerken am Hochrhein erzeugt.

"Rechenzentren haben eine hohe Grundlast, da ist Wasserkraft besser als Solarenergie", erklärt Schmidt. Die Kernenergie hingegen sei für ihn keine Alternative, weil schon beim Bau eines Reaktors mehr CO2 ausgestoßen werde als später eingespart werden könne.

Die Energieeffizienz erhöhen

Der Ökostrom ist zwar etwas teurer. Aber Strato habe sich in Verhandlungen günstige Bedingungen gesichert, erklärt der Manager. Auch werde sich die Preisschere irgendwann schließen, da mit steigenden Kosten fossiler Energieträger zu rechnen sei. Gleichwohl kritisiert Schmidt, dass bislang zwar die Erzeugung regenerierbarer Energien staatlich gefördert werde, nicht aber die Abnahme.

Der Wechsel beim Stromversorger ist nur ein Teil der Umweltstrategie von Strato. "Wir sind seit über zwei Jahren dabei, die Energieeffizienz zu erhöhen, was letztlich kostengesteuert ist", erklärt der Chef des nach Marktführer 1&1 zweitgrößten Web-Hosters in Europa, auf dessen Servern drei Millionen Internet-Adressen zuhause sind. Hardware, Gebäudetechnik und Software sind die drei Ansatzstellen, um den Stromverbrauch so effizient wie möglich zu gestalten.

"Schlecht geschriebener Code ist ein Klimakiller"

So wurden beim «Shared Hosting», dem Massengeschäft mit mehreren Internet-Auftritten auf einem Server, kürzlich die Rechner auch mit Blick auf den Stromverbrauch ausgewechselt. Die neuen Maschinen vom Typ "Sun Fire T200" verbrauchen nach Angaben Schmidts 90 Prozent weniger Energie je Rechenvorgang, da ihre Niagara-Prozessoren besonders auf die Abwicklung von HTTP-Anfragen im Internet abgestimmt sind.

"Wir gehen Komponente für Komponente durch"

Außerdem kommen Netzteile mit möglichst geringer Abwärme und Lüfter mit geringerem Reibungswiderstand zum Einsatz. "Wir gehen Komponente für Komponente durch", sagt Schmidt. Webseiten und Daten mit besonders hohen Abrufzahlen werden auf File-Servern des Herstellers NetApp gelagert, um den Stromverbrauch von Festplattenzugriffen einzusparen.

Bei der Gebäudetechnik richtet sich der Blick vor allem auf die erforderliche Kühlung der Server. Bei niedrigen Temperaturen kommt in den Strato-Rechenzentren eine Wasserkühlung zum Einsatz, die weniger Energie verbraucht als die Kompressionskühlung. Um auch kleinste Einsparmöglichkeiten aufzuspüren, arbeitet Strato mit der TU Berlin zusammen.

Wir haben durch schlecht geschriebene PHP-Skripte eine hohe Ressourcenbelastung"

Ein großes Potenzial für effizienteren Stromverbrauch sieht Schmidt in der Software-Entwicklung: "Schlecht geschriebener Code ist ein Klimakiller." Denn wenn der Prozessor wegen komplizierter Software-Befehle mehr arbeiten muss als nötig, wird entsprechend mehr Strom verbraucht. "Wir haben durch schlecht geschriebene PHP-Skripte eine hohe Ressourcenbelastung", sagt Schmidt. Was sich im Einzelfall kaum bemerkbar macht, wird bei millionenfacher Verwendung zum Kosten- und Klimafaktor.

Alle Maßnahmen zusammengenommen haben Schmidt zufolge bewirkt, dass der Energieverbrauch pro Kunde in den vergangenen zwei Jahren um 30 Prozent gesenkt werden konnte. Aber die Zahl der Internet-Nutzer nimmt ja weiter zu, und auch die Datenflut ist ungebrochen. Bis 2010 soll sich die Menge der jährlich produzierten digitalen Daten nach einer Schätzung des Marktforschungsinstituts IDC auf 988 Exabyte versechsfachen, das sind 988 Milliarden Gigabyte. Entsprechend weit reichende Initiativen sind notwendig, um den Beitrag der IT-Branche zur globalen Erwärmung einzudämmen. (APA/APA)

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