Privatisierung droht der Absturz

18. Juli 2007, 21:32
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Das Bieterverfahren wird weiter verzögert

Die italienische Regierung hat den Alitalia-Privatisierungstermin innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal verschoben. Interessenten können nun bis 23. Juli ihr Angebot einreichen. Bisher galt der 2. Juli als Abgabetermin. Wegen der vom Bieter geforderten Transparenz der Alitalia-Konten hatte das Schatzamt den Termin erst auf 12. Juli und nun auf den 23. Juli verschoben.

Air One mit Zweifeln

Angeblich hat der einzig ernst zu nehmende Interessent, die Fluggesellschaft Air One, Zweifel angekündigt. Air One-Konzernchef Carlo Toto fordert u. a. Garantien von den Gewerkschaften, dass diese mit dem Personalabbau von über 2000 Alitalia-Beschäftigten einverstanden seien. Da Air One keine flüssigen Mittel zur Verfügung hat, unterstützt ein von Banca Intesa geleitetes Bankenkonsortium den Deal. Finanzkreise geben die geforderten Mittel mit insgesamt rund drei Mrd. Euro an. Die Banken seien angeblich aber nicht bereit, eine derart hohe Summe zu finanzieren.

Auch der US-Fonds Matlin Patterson hat neuerlich sein Interesse angekündigt, nachdem sich der Finanzinvestor gemeinsam mit der Fondsgesellschaft TPG Anfang Juni vom Bieterverfahren zurückgezogen hatte. Beim Schatzamt - es kontrolliert noch 49,8 Prozent der Alitalia - habe sich der Fonds noch nicht gemeldet. Daher rechnen Finanzanalysten damit, dass es sich um kein echtes Interesse handle.

Aeroflot und Unicredit sagten ab

Die russische Aeroflot und die Unicredit haben sich vor Kurzem aus dem Rennen um Alitalia zurückgezogen. Das Konsortium habe nach einer Due-Diligence-Prüfung beschlossen, sich nicht mehr am Bieterverfahren zu beteiligen. Die größten Chancen werden der AP Holding des Geschäftsmanns Carlo Toto eingeräumt, der mit Air One bereits Italiens zweitgrößte Fluggesellschaft besitzt. Verbliebe tatsächlich nur ein Bieter, zudem jener, der als Favorit der Regierung galt, könnte das Finanzministerium das Verfahren abblasen, um den Eindruck einer Farce zu vermeiden. Dann müsste eine neue Auktion ausgeschrieben werden. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2007)

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