Eurofighter im Anflug auf Zeltweg

11. Juli 2007, 10:26
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Dass die Einführung des Flugzeugs kein ganz gewöhnlicher Vorgang ist, zeigt ein Blick auf die Details

Wien - "Es ist wichtig, dass der Eurofighter jetzt kommt und er bald in Zeltweg landen wird", sagte Vizekanzler und ÖVP-Chef Wilhelm Molterer am Sonntag - und eigentlich dürfte dem wenig entgegenstehen.

Denn die Güteprüfung - eine von österreichischer Seite mit unüblichen bürokratischen Hürden gespickte technische Abnahme der Flugzeuge - ist am Freitagabend unter Dach und Fach gebracht worden.

Militärstrategische Vorgaben

Etwa gleichzeitig hat die ÖVP im Parlament durchgesetzt, dass der Rechnungshof auch die von Verteidigungsminister Norbert Darabos in einem unüblichen freihändigen Verfahren unterschriebene Vertragsänderung so penibel unter die Lupe nimmt wie den eigentlichen Beschaffungsvorgang. An diesem hatte der Rechnungshof ja schon bisher bemängelt, dass eine Reduktion der Zahl der Flugzeuge fernab der militärstrategischen Vorgaben erfolgt ist. Nun aber wurden nicht nur weniger Flugzeuge, sondern auch eine deutlich schlechtere technische Ausstattung bestellt.

So wurde durch die Abbestellung des "Pirate"-Systems die Einsatzfähigkeit des Eurofighters bei schlechter Sicht bewusst reduziert - um eine Ersparnis von 40 Millionen Euro zu erzielen. Im Ernstfall, sagen Experten, könnte das das Leben der Piloten kosten. Im selben Zusammenhang steht, dass die modernen Lenkwaffen in ihrem Einsatzspektrum auf den (veralteten) Stand der schon beim Draken verwendeten "Sidewinder" heruntergestutzt werden.

Produktionsserie

Offen ist auch, ob die Vereinbarung, gebrauchte Maschinen der deutschen Bundeswehr aus dem zweiten Block der ersten Produktionsserie (deren Upgrade-Fähigkeit auf den höherwertigen Status der Tranche zwo umstritten ist), mit den Deutschen korrekt abgesprochen wurde.

Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner nahm diesen "sehr interessanten Umstand" aus einen entsprechenden profil-Bericht zum Anlass, den nunmehrigen Amtsinhaber Darabos aufzufordern, die Details seines Alleingangs offenzulegen.

"Versuchtes Foul"

Merkwürdig sei auch, dass Darabos nicht selbst (wie es seinerseits Scheibner und auch dessen Nachfolger Günther Platter getan hatten) den Rechnungshof zur begleitenden Kontrolle eingeladen hat.

Die SPÖ konterte in Person des Bundesgeschäftsführers Josef Kalina: Die Prüfung sei ein "versuchtes Foul" von VP-Klubchef Wolfgang Schüssel. Die Prüfung selbst werde sich aber zu einem "Eigentor für die ÖVP" auswachsen, schließlich habe Darabos gespart. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2007)

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