"Ökonomie und Krieg"

28. Juli 2007, 19:52
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Sammelband thematisiert unter anderem internationale Konflikte und alternative Lösungsansätze - Eine Rezension

Wien - Die Zusammenhänge von Ökonomie und Krieg, die internationale Wirtschafts- wie Rüstungspolitik sowie die Zunahme privater Gewaltmonopole sind grob skizziert die zentralen Themen dieser Buchreihe, herausgegeben vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK). Der 2006 erschienene Band beinhaltet 20 Beiträge von den an der 22. Internationalen Sommerakademie in Stadtschlaining teilnehmenden ReferentInnen und Workshop-LeiterInnen.

„Wunderbare Alternative“ zur USA

Das Erlöschen der Erdölvorräte in den kommenden 30, 40 Jahren sowie der wachsende Bedarf nach Öl führten immer öfter zu Kriegen, wie etwa im Irak, so Elmar Altvater, Berliner Politikprofessor und Autor zahlreicher kapitalismuskritischen Bücher im vorliegenden Band. Öl als der antreibende Motor der Industrialisierung: wolle man auf andere Energiequellen umsteigen, müsse man das ganze Wirtschaftssystem überdenken. Dass die Akteure der Weltwirtschaft daran kein Interesse habe, liege auf der Hand. Dennoch, führt Altvater weiter aus, sei ein Umdenken unabdingbar, ohne erneuerbare Energien drohe das Chaos.

Der Europäischen Union als „wunderbare Alternative“ zur USA widmet sich die deutsche Ökonomin Birgit Mahnkopf. Die EU habe, was neoliberale Wirtschaftsabkommen mit den Ländern des Südens anbelangt, längst die USA überholt und stünde auch der internationalen Welthandelsorganisation (WTO) um nichts nach. Sie unterstreicht in ihrem Beitrag, dass die EU-Freihandelsagenda eine besondere Gefahr für nachhaltige Entwicklung und Sicherheit im Süden darstelle.

Globale Wirtschaftspolitik

Andere Beiträge, wie beispielsweise die von Werner Ruf, analysieren wiederum den zunehmenden Einfluss militärischer Privatunternehmen. Der Militärforscher Peter Lock sieht ferner die Ursache für diesen Wandel in den Verfehlungen der globalen Wirtschaftspolitik für die Länder der "Dritten Welt", die im Zerfall der staatlichen Strukturen, in steigender Arbeitslosigkeit sowie rasanter Urbanisierung münden.

Wie sich in Folge von Privatisierung, Liberalisierung und Medienfusionen die Rolle und Arbeitsweisen von Journalisten ändern, und welchen Einfluss Journalisten auf die Berichterstattung haben - diese Fragen stehen im Zentrum des Beitrag von Andreas Zumach, internationaler Korrespondent der Berliner "tageszeitung" (taz). Die Verflechtungen von NGOs mit Regierungen und Militär zeigt Jörg Becker, Politologe an der Universität Marbug, in seinem spannenden Beitrag am Beispiel (Ex-) Jugoslawien auf.

Nachhaltige Entwicklung

Der Frage nach zukunftsfähigen entwicklungspolitischen Ansätzen gehen der deutsche Entwicklungsexperte Thomas Fues und Bernhard Mark Ungericht, Professor am Institut für Internationales Management in Graz, nach. Und aus der Sicht von FriedensforscherInnen plädiert Hildegard Goss-Mayr für eine Wiederentdeckung von Gewaltfreiheit als politische Kategorie. Hans Holzinger wiederum wirbt für Nachhaltige Entwicklung als „Leitbild für das 21. Jahrhundert“.

„Die Weltunordnung von Ökonomie und Krieg“ bietet einen umfassenden Einblick in die aktuellen Tendenzen der Weltpolitik. Der Sammelband ist thematisch in acht Teile gegliedert, Grafiken und Tabellen veranschaulichen das empirische und theoretische Material. Vorbildlich hervorzuheben sind auch die zahlreichen bibliographischen Angaben am Ende jedes Beitrages. Ein großes Manko: Die wenigen Beiträge von Frauen. Nur zwei Verfasserinnen finden sich unter den AutorInnen.

„Die Weltunordnung von Ökonomie und Krieg. Von den gesellschaftlichen Verwerfungen der neoliberalen Globalisierung zu den weltumspannenden politischen Ansätzen jenseits des Casinokapitalismus“ (LitVerlag, 2. Auflage, 2006, 304 S.) - Mit Beiträgen von Elmar Altvater, Jörg Becker, Heinz Fischer, Thomas Fues, Erich Kitzmüller, Friedrich Korkisch, Peter Lock, Hildegard Goss-Mayr, Hans Holzinger, Jörg Huffschmid, Friedrich Korkisch, Gerald Mader, Birgit Mahnkopf, Bernhard Mark-Ungericht, Werner Ruf, Thomas Roithner, Hans Sallmutter, Hermann Scheer, Peter Strutynski, Jakob von Uexküll und Andreas Zumach. (red)

  • Artikelbild
    foto: litverlag
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