Aus der Schickeria ins Charakterfach

12. August 2000, 11:13

Kopf: TV-Star Iris Berben feiert ihren Fünfziger

Zuletzt sorgte Iris Berben mit einem Spot für den Pay-TV-Sender Premiere World für Aufsehen. Immerhin gewährte die am Samstag ihren 50. Geburtstag feiernde Jubilarin darin Einblicke, die an Sharon Stones Beitrag zur Filmgeschichte erinnern: Basic Instinct. Basic Iris allerdings züchtig mit Höschen.

Diesen Reizen mochte sich auch das seriöse Magazin Spiegel Reporter nicht verschließen. "Skandal!", titelte man Ende 1999, positionierte Iris Berben einschlägig auf Seite eins - und freute sich über einen auflagensteigernden Synergieeffekt.

Dabei hätte es Iris Berben, abgesehen von ihrem zu wahrenden Ruf als "schönste und erotischste Schauspielerin Deutschlands", gar nicht nötig, ihre Qualitäten derart plakativ feilzubieten. Immerhin zählt sie zu den vielseitigsten Talenten in einem Geschäft, das zunehmend auf hübsche, aber wenig sagende Gesichter setzt und dabei vergisst, eventuell versteckte Charaktere zu entwickeln.

Hart erkämpft

Iris Berben hat sich diese Position hart erkämpft. Nicht immer in ihrer Karriere standen Glanzpunkte wie ihre heutige Darstellung der Berliner Kriminalkommissarin Rosa Roth auf dem Spielplan. Zwar drehte Berben, nachdem sie kurz vor der Matura von der Schule geflogen war und sich mit dem Hippie-Schnulzensänger Abi Ofarim in der Schickeria umgetan hatte, vor dreißig Jahren während ihrer Anfänge im Umfeld der Hamburger Kunsthochschule anspruchsvollere Filme. Etwa mit Regisseuren wie Rudolf Thome (Supergirl) oder Sergio Corbucci (Companeros).

Einem breiten Publikum wurde sie allerdings erst in den 80er-Jahren über TV-Serien wie Sketchup oder Das Erbe der Guldenburgs bekannt. Im Kino sah man sie zuletzt in Rennschwein Rudi Rüssel oder in Doris Dörries Bin ich schön?

Rosa Roth

Der späte Höhepunkt bleibt aber besagte Rosa Roth, eine für heutige Verhältnisse ungemein anspruchsvolle Fernsehserie. In dieser löst sie im ZDF seit 1994 mitunter Fälle, die durchaus gesellschaftliche Brisanz besitzen. Immerhin wurden hier schon Themen wie der Holocaust oder die deutsche Neonaziszene verhandelt. Wohl auch deshalb, weil Berben hier in ihrer Produktionsfirma Movie the Art of Entertainment gemeinsam mit Stammregisseur Carlo Rola und ihrem Sohn Oliver entscheidenden Einfluss auf die Drehbücher nimmt.

Privat liiert ist die aus Detmold stammende Gastwirtstochter seit einem Vierteljahrhundert mit dem deutsch- israelischen Schuhhändler Gabriel Lewy, mit dem sie heute in ihrer Wahlheimat München auch mehrere In-Lokale besitzt. Gemeinsam mit ihrer Familie wird sie den Jubeltag auf einem Segelboot im Mittelmeer feiern - und gegen temporäre Flauten und Tiefs ankämpfen. Etwa gegen ihre Mitwirkung im unsäglichen Kinofilm Kondom des Grauens aus 1996.

(Christian Schachinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.08.2000)

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