Porträt: Abdul Rashid Ghazi - Nie ohne Kalaschnikow

10. Juli 2007, 16:26
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Seit Tagen mit Koranschülern in Roter Moschee verschanzt - Früher für die UNESCO tätig - Radikalisierung nach Tod des Vaters

Islamabad - Abdul Rashid Ghazi stellt sein Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow neben sein Bett, wenn er schlafen geht. Seit Tagen verschanzt sich Ghazi mit radikalen Koranstudenten in der Roten Moschee in Islamabad und will lieber sterben als aufgeben. Doch er war nicht immer so radikal. Als Student soll er ein humorvoller und umgänglicher Mann gewesen sein und sogar in Maßen dem westlichen Lebensstil gefrönt haben, erzählt einer seiner Studienfreunde.

Die Islamisten-Karriere des 43-Jährigen begann mit dem gewaltsamen Tod seines Vaters. Ein Einzeltäter, der vermutlich einer rivalisierenden islamistischen Gruppe angehörte, erschoss den früheren Vorsteher der Roten Moschee. Für Ghazi war der brutale Mord Anlass, sich seinem Bruder anzuschließen, der schon früher in die Fußstapfen des Vaters getreten war und nach dessen Tod im Jahr 1998 die Leitung der Moschee übernahm. Ghazi wurde zum Stellvertreter ausersehen.

Vom "alten Ghazi" nichts mehr übrig

Seither radikalisierte Ghazi sich, knüpfte Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst, der sich zuvor noch der Hilfe seines Vaters Abdullah Aziz bedient hatte, um Islamisten zum anti-sowjetischen Widerstand und Jihad (Heiligen Krieg) in Afghanistan zu gewinnen. Spätestens seit dem 11. September 2001 sei von "dem alten" Ghazi nichts mehr übrig gewesen, sagt der Ex-Studienfreund.

Auch mit seinen staatlichen Unterstützern brach der Radikale nunmehr. Ghazi baute enge Kontakte zu Taliban-Anhängern auf und agitierte gegen die Entscheidung des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, den US-geführten Feldzug gegen die Taliban in Afghanistan und den so genannten Anti-Terror-Krieg zu unterstützen. "Wir fordern nicht nur Musharraf heraus, wir nehmen es mit dem System auf", sagte Ghazi im Mai in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP.

"30 Tage kämpfen, so Gott will"

Wie weit er dabei gehen will, wurde auch am Samstag deutlich, als er in einem Telefonat mit AFP erneut den Kampf bis zum Ende beschwor: "Wir haben genug Verpflegung, Waffen und Munition, um weitere 25 bis 30 Tage zu kämpfen, und das werden wir auch tun, so Gott will", sagte Ghazi. Etwa 70 seiner Koranschüler seien bereits getötet worden, darunter 30 Frauen. Die Regierung spricht bisher von mindestens 19 Toten bei den Kämpfen bei der Moschee.

Aus welchem Holz die Koranstudenten der Roten Moschee geschnitzt sind, bewiesen sie in der Vergangenheit mit Entführungen von als "Sündern" angesehenen Menschen in Islamabad und mit gewaltsamen Übergriffen auf unislamische Musikgeschäfte. Ghazi wurde seit einem Anschlag auf ihn vor drei Jahren nur noch mit einer Kalaschnikow gesehen. "Er hat immer ein AK-47 dabei, in seinem Auto, in der Koranschule und selbst am Bett", sagt der Kommilitone, den der Geisteswandel des früheren UNO-Mitarbeiters erstaunt.

Master in Geschichte

In der Universität Quaid-e-Azam in Islamabad hängt heute noch ein Foto Ghazis, der am historischen Seminar der Hochschule 1988 einen Master in Geschichte machte. "Er war ein normaler, gemäßigter Student", erinnert sich sein ehemaliger Dozent Naim Qureshi. Damals habe Ghazi auch noch einen kurzen Bart getragen. Später heiratete er in eine gemäßigte Familie ein, arbeitete für die Regierung und die UNO-Kulturorganisation UNESCO. Ghazi habe gerne Witze gemacht und Englisch gesprochen, erinnert sich der ehemalige Kommilitone. Doch mittlerweile sei Ghazi ein "anderer Mensch, entschlossener und mit strengeren Vorstellungen", fügt er hinzu. "Ich bezweifle, dass er jetzt aufgeben wird." (APA)

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    Abdul Rashid Ghazi wurde seit einem Anschlag auf ihn vor drei Jahren nur noch mit einer Kalaschnikow gesehen. "Er hat immer ein AK-47 dabei, in seinem Auto, in der Koranschule und selbst am Bett", sagt der Kommilitone, den der Geisteswandel des früheren UNO-Mitarbeiters erstaunt.

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