Flughafen Heathrow testet RFID im Gepäcksmanagement

16. Juli 2007, 09:51
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Jährlich 600 Mio. Euro Einsparungen für Fluglinien möglich

Der Londoner Flughafen Heathrow startet im September einen groß angelegten RFID-Test. Die Gepäcksstücke werden mit den funkenden Chips versehen und somit auf ihrem Weg zum richtigen Flugzeug verfolgt. Der Test soll Daten über Zuverlässigkeit und Leseraten liefern, um sie mit dem aktuell verwendeten Barcodesystem zu vergleichen. Die International Air Transportation Association (Iata) rechnet damit, dass der Einsatz von RFID den Fluggesellschaften eine Einsparung von 600 Mio. Euro jährlich bringen könnte.

Check-In

Der Flughafenbetreiber BAA installiert die nötige RFID-Infrastruktur an ausgewählten Check-In-Schaltern. "Durch diesen Großversuch wollen wir die RFID-Technik evaluieren und Einblick in die Funktionsweise des Systems bekommen sowie seine Vorteile ergründen", so eine BAA-Sprecherin. "Diese Tests sind für uns äußerst wichtig, um die Auswirkungen der RFID-Einführung auf den Flughafenbetrieb zu sehen", fügt Lorne Riley, Sprecher der Iata, hinzu. Gerade der Flughafen Heathrow biete sich aufgrund des hohen Passagier- und Gepäcksaufkommens optimal für diese Tests an. Die Iata will schließlich eine Kostenübersicht erstellen und Empfehlungen für Flughäfen erarbeiten, um die Implementierung von RFID zu vereinfachen.

Interessiert

"Wir beobachten diese Entwicklungen mit Interesse", sagt eine Sprecherin der Flughafen Wien AG. Die Implementierung eines RFID-Systems stehe allerdings noch nicht zur Diskussion. "Momentan macht es noch wenig Sinn, da kaum noch Airlines die Chips in den Gepäcksetiketten haben." In Wien kämpfe man mit anderen Problemen. Einige Airlines - vor allem aus dem Osten - würden noch nicht einmal das Barcodesystem einsetzen. Die Koffer seien oft noch mit der Hand beschriftet und müssen daher extra behandelt werden, sagt die Flughafensprecherin.

Vorreiter

"Mit der Installation des RFID-System wird der Flughafen Heathrow zum Vorreiter und könnte für weitere Airports ein Impuls sein, die Technologie zu implementieren", meint Peter Harrop, Analyste und RFID-Experte bei TechEx. "Die Finanzierung dieser Projekte muss von den Flughäfen ausgehen, denn diese sind wirtschaftlich stabiler als die Airlines", so Harrop. Wenn sich das RFID-System schließlich am größten Flughafen Europas technisch und finanziell bewährt, werden weitere Flughäfen folgen, ist der Analyst überzeugt. Heathrow wird vor allem von weniger verloren gegangenem Gepäck und erhöhter Effizienz des Systems profitieren. "Die wahren Vorzüge von RFID werden allerdings erst zu sehen sein, wenn jedes Gepäcksstück mit einem Funkchip versehen ist und alle Flughäfen über das System verfügen", so Harrop. (pte)

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