der schönste Tag der Woche: Eingefrorene Leberzirrhose

30. Juni 2007, 10:00
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Party mit Blasmusik, Tombola, Spanferkel zum 100. Geburtstag der Bestattung Wien und Sechs Jahre "Peoplemover"

Was haben Albanien, die Kapverdischen Inseln, Litauen, Armenien, Guatemala und Zypern gemeinsam? Richtig, die Fußballnationalmannschaften dieser Länder liegen in der FIFA-Weltrangliste vor Österreich. Während also das ÖFB-Team weit abgeschlagen auf Platz 83 dahindümpelt, träumen hierzulande einige drittklassige Kicker tatsächlich davon, 2008 Europameister zu werden. Das nenne ich eine typisch österreichische Einschätzung der Lage, wobei selbst Teamchef Josef Hickersberger unlängst verkündete: "Österreich wird vor eigenem Publikum schwer zu schlagen sein." Allerdings nur, wenn die Spieler gemeinsam mit Rainhard Fendrich die EM-Hymne "Wir sind Europa" singen. Dann verlässt nämlich die gegnerische Mannschaft fluchtartig das Spielfeld, und dann, aber nur dann hat das österreichische Team vielleicht die Minimalchance, ein Tor zu schießen. Dabei wäre alles so einfach, wenn man sich nur an die berühmte Maxime Hans Krankls halten würde: "Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär." Das Problem bei der österreichischen Mannschaft ist allerdings, dass die meisten Spieler so langsam sind, dass man ihnen selbst während eines Angriffs die Schuhe binden könnte. Aber möglicherweise ist meine Haltung ja auch zu defensiv, denn wie sagte schon der legendäre Lothar Matthäus: "Man darf den Sand nicht in den Kopf stecken."

Jetzt zu etwas Erfreulicherem: Dieser Tage feierte die Bestattung Wien ihren 100. Geburtstag und lud aus diesem Anlass nicht nur zu Podiumsdiskussionen, sondern auch zu einer großen Party mit Blasmusik, Tombola, Spanferkel "sowie Kulinarischem aus aller Welt, das bei Trauerfeiern serviert wird". An einer der Veranstaltungen nahm auch der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Gesellschaft mit dem passenden Namen Gerhard Weißgrab teil. Früher bin ich zu solchen "Events" mit dem Pathologen Dr. Hans Bankl gegangen, aber seitdem Bankl tot ist (man könnte auch sagen, "er hat ein Bankl gerissen"), ist es bei der Bestattung nur noch halb so lustig. Als Pathologe, der im Laufe seines Lebens ca. 40.000 Leichen sezierte, hatte Bankl ein eher unsentimentales Verhältnis zum Tod, was sich auch in unserer Zusammenarbeit bei diversen Filmprojekten niederschlug. Als ich für meinen Film über Adalbert Stifter beispielsweise eine Leberzirrhose suchte, hinterließ mir Bankl folgende Nachricht auf meinem Anrufbeantworter: "Lieber Herr Palm, die Leberzirrhose ist gerade eingetroffen, aber da Sie nicht zu Hause sind, werde ich sie einfrieren." Der Zufall wollte es, dass wenige Tage später eine zweite Leberzirrhose bei Bankl eintraf und wir schließlich beide Objekte filmen konnten. Mitte Oktober erscheint der Stifter-Film samt den Leberzirrhosen übrigens in der neuen Standard-Edition "Der österreichische Film" bei Hoanzl. Ende der Werbeeinschaltung.

Zum Schluss noch eine Bemerkung in einer ganz anderen Angelegenheit: Über die in meiner vorvorvorletzten Kolumne neu getextete Bundeshymne haben sich einige Leser (keine Leserinnen!) fürchterlich aufgeregt, und ein gewisser Theodor A. hat mir sogar "a gsundes Gnackwatscherl" (in Deutschland würde man sagen: "Einen gesunden leichten Schlag ins Genick") angetragen. Ehrlich gesagt, verstehe ich die ganze Aufregung nicht, denn wenn der österreichische Bundespräsident Franz Jonas während eines Staatsbesuchs der Queen kurz vor Beginn einer Burgtheateraufführung sagen durfte: "Equal goes it loose, Madame", dann darf auch ich sagen: "Now listen you motherfucker you." Or etwa not, my friend? Trotzdem wollen wir nicht vergessen, dass vor exakt sechs Jahren, und zwar am 7. Juli 2001, in Pfullingen der erste "Peoplemover" in Deutschland eingeweiht wurde. Whatever this is, mir is it wurst. (Kurt Palm, DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.07.2007)

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