Zu den drei Hirschen

9. Juli 2007, 17:00
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Drei der insgesamt sieben Elaphitischen Inseln - übersetzt die Hirschinseln - können von Dubrovnik aus mit dem Boot besucht werden

Baden kann man auch an der Dubrovniker Flanierzeile Stradun. In der Menge der Müßiggänger etwa, die hier von allen Altstadtseiten ins trockene "Marmorbecken" strömt. Bloß, wer in Dubrovnik wirklich ins Schwimmen kommen möchte, sollte das Schimmern der glatten Steinen besser ad Baedeker legen, ebenso wie die "Boutique Croata", in der man ja eher Kroatiens Beitrag zur internationalen Etikette studiert: Sonderbar bauschige Seidenbinder erinnern hier daran, dass die geknoteten "Crvate"-Halstücher kroatischer Soldaten im 17. Jahrhundert einst große Pariser Mode waren - und das Vorgängermodell zum konventionellen Strick, an dem die Business-Welt bis heute baumelt. Doch um Crvaten- alias Krawatten-Pflicht geht es an dieser Stelle nicht. Sondern um die reine Badehosenkür. Weswegen man, einmal in Dubrovnik zwischengelandet, vom Stradun im Prinzip zwei lohnenswerte Routen einschlagen mag.

Das Meer als Snack

Eine Art Geheimtipp wäre ja bereits das spontane, innerstädtische Kraulen beim Leuchtturm hinter dem Fort Sv. Ivana. Kleine Steintreppen führen hier, geschützt vor neugierigen Blicken und nur wenige Meter vom Trubel der überlaufenen Stadt entfernt, ins glasklare Wasser. Das Rascheln der Jausenbrote verrät, dass es sich bei den algengrünen Steinen im Schatten der Dubrovniker Stadtmauer um ein beliebtes Mittagsrast-Exil lokaler Sekretärinnen handelt, die hier schnell einen Impromptu-Swim einschieben. Und dabei den kleineren Brüdern zusehen, wie sie sich im Schatten der Stadtmauern eine Partie Wasserball genehmigen oder sogar die ersten, aufregenden Zigaretten mit - Lümmel! - noch nicht einmal zehn. Gleichfalls vorhanden: Rostiger Charme und vor allem Süßwasser aus Duschen. Schließlich will man nicht allzu salzig zurück ins Büro.

Häufiger streben die Besucher der Stadt aber den Weg zur Linken des berühmten Refektorenpalastes an. Er führt zum historischen Hafen, und dann weiter auf die Inseln eines kleinen, feinen und irgendwie häufig übersehenen kroatischen Mini-Archipels, nämlich jenem der Elaphitischen Inseln. Eine gute Stunde dauert der Trip, bei dem die Ausflugsboote in unterschiedlicher Reihenfolge die drei bewohnten Eilande Sipan, Lopud und Koloèep anlaufen. Kleine Perlen und, bis auf Sipan, ohne Autoverkehr.

Hinübergehirscht

Wer neben der Badehose jetzt auch verstaubte Altgriechisch-Fetzen auspacken kann, der weiß bereits: Den einst hier lebenden Hirschen verdanken die - zählt man diverse unbewohnte Eilande hinzu - insgesamt sieben Inseln ihren Namen, auch wenn diese seit den Tagen der griechischen Kolonisation verschwunden sind. Besser hielten sich Spuren späterer Ansiedler. Ruinen von Wehranlagen und alten Wehrtürmen erinnern daran, dass die grünen Flecken zwischen Dubrovnik und der Peljesac-Halbinsel einst zur Republik Ragusa gehörten - vor allem aber, dass ihnen strategische Bedeutung zukam.

Später ließen betuchte Handelsherren und der Klerus stattliche Sommersitze in die kleinen Naturparadiese bauen, heute marmorweiße Zwischenstationen der kleineren und größeren Wanderungen, die vor allem am archetypischen Adria-Gärtchen vorbei- führen: Johannisbrot- und Zitronenbäume, Mandel- und Granatapfelbäumchen wachsen da hinter den Steinmauern. Mit jedem weiteren Stehenbleiben und Schnuppern kommt man den Inseln näher.

Nicht, dass es deswegen keine konkreten Besonderheiten zu vermelden gäbe. Koloèep, die kleinste und Dubrovnik am nächsten gelegene Insel, mag Freunden frühmittelalterlicher Architekturdetails - Stichwort: Flechtornamentik der Pfarrkirche Sv. Marija - ebenso entgegenkommen wie Wanderunlustigen. Gerade zwanzig Minuten liegen die beiden Hauptorte Gorne Celo und Donje Celo auseinander.

Mehr Auslauf und sogar Weingärten verspricht da Sipan. Mit dreimal Umfallen ist die am einstigen Sitz des ragusanischen Statthalters vorbeiführende Inselwanderung aber nicht getan. Grün, entspannt und eine nautische Halbetappe später taucht das von Süßwasserquellen gespeiste, mit Zypressen behübschte Lopud vor dem Bug auf. Eine lauschige Uferpromenade hat das gleichnamige Fischerdorf, und eine reizvolle Ruine eines ehemaligen Franziskanerklosters.

Alles Gründe für Momente an der Mole - und einen verdienten "Kava" mit Sud. Doch bevor die Sonne gnadenlos wird, lohnt auch hier eine kurze Wanderung, etwa zur Traumbucht von Sunj auf der anderen Seite der Insel. Weißer Sand, flaches Wasser, draußen schaukeln die Yachten. Wer will, kann hier auch im FKK-Modus pritscheln.

Tavernen-Essenz

Ideal für Reflexion zum Thema Adria ist dieses Archipel in jedem Fall. Ideal auch, um später mit Leuten wie dem Tavernenwirt Marin über die wichtigen Dinge zu plaudern. Das Frühstück der kroatischen Fischer etwa. Drei Knoblauchzehen und ein Gläschen Schnaps gönnen sich die Männer, wenn sie ab vier Uhr Morgens lostuckern und Lopuds Kaimauern im Dunkel der Nacht versinken. Sanfter Wellenschlag, das Tuckern der Dieselmotoren begleitet sie dabei, und wohl auch eine Kargheit, die den Mini-Archipel seit jeher prägt.

400 Fischarten zählen Meeresbiologen an der Adria, doch wirklich aus dem Vollen schöpfte man hier wohl nie. Daran erinnern so legendäre Regionalgerichte wie die Steinsuppe, bei der erfahrene Köche in groben Steinporen versteckte Krebse, Muscheln und Algen in einen wunderbaren Suppenfond zu verwandeln wissen. Aber auch kulinarische Solokarrieren werden aus Poseidons großer Suppenschale gezaubert: Die Austern des Dörfchens Mali Ston auf der, nur wenige Seemeilen entfernten Halbinsel Peljesac, machen sogar französische Züchter neidisch. Kleiner, aber intensiver im Geschmack sollen die Austern hier sein. Unterseeische Süßwasserquellen in der Stoner Bucht sind der Grund dafür. Wer die Adria in kleinen Stücken am liebsten schlürft - hier hat er den idealen Platz gefunden. (Robert Haidinger/Der Standard/Printausgabe/7./8.7.2008)

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Anreise: Flug Wien-Dubrovnik mit skyeurope

Bootsausflug auf die Elaphitischen Inseln von Dubrovniks Altem Hafen, Ticket 20,50 €.

Allgemeine Info:
Tourismus Dubrovnik
Tourismus Kroatien

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    Dubrovnik: Blick von der Stadtmauer auf die Insel Lokrum.

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    Dubrovnik

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