Der russische Blick auf Graz

11. Juli 2007, 10:27
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Intro-Graz-Spection präsentiert die etwas andere touristische Sichtweise

Graz - Georgy Litichevsky hat im Jahr 2000 in Graz das erste Mal eine Kuh gesehen. Sieben Jahre später kommt dem Moskauer Künstler dieses Ereignis bei seinem neuerlichen Graz-Besuch sehr gelegen, wurde er doch von der örtlichen Kunstinitiative Intro-Graz-Spection (IGS) gebeten, seine touristische Sicht auf Graz filmisch zu verarbeiten.

Zehn Tage hatten er und Künstlerkollege Gosha Ostretsov Zeit, ihre einprägsamsten Momente als Touristen mit der Kamera fest zu halten. Vom 7.bis 13. Juli sind die Videos in der Josef Hubergasse 17 zu sehen. Der Dachboden des dreistöckigen Mietshauses, welches das Grazer Künstlerinnenduo "Resanita" ersteigert hatte, wurde in diesen zehn Tagen ebenfalls von den beiden Moskauern umgestaltet.

"Die Russen kommen"

Mit dem Titel "Die Russen kommen" wollte Gastgeber Christian Marczik von der IGS die Aufregung um russische Gäste in den Tourismusorten Österreichs künstlerisch auf die Schippe nehmen. Die Slawistin Hermine Prügger hat die 20-jährige Bekanntschaft zu den beiden renommierten Moskauern genützt und den Kunstaustausch vermittelt. Im Moskauer Museum of Modern Arts werden die Filme im August zu sehen sein.

In den zehn Tagen sind zwei witzige Performances mit ungewöhnlichen Protagonisten - Kühen und Zwergen - entstanden. Georgy Litichevskys Kühe aus Graz-Umgebung haben daran zuerst etwas misstrauisch, letztendlich doch sehr gerne teilgenommen, sagte er. Schließlich wollten sie dem Slogan "Jede Kuh ist ein Kühnstler" gerecht werden. Litichevsky hatte ihnen die Aufgabe gestellt, sich zu überlegen, was die Grazer Kühe in der Stadt, die der Künstler in Anspielung auf Graz als Kulturhauptstadt Europas 2003 zur "Tierhauptstadt 2007" proklamierte, ausrichten könnten. Das Impulsreferat gab er mit Kuhmaske.

Gosha Ostretsov hat sich in die Stadt hineingewagt und die Grazer Zwerge, die im Schlossbergstollen ihr unterdrücktes Dasein fristen, zum Protest aufgerufen und thematisierte die Lage von benachteiligten Gesellschaftsschichten. Auf dem Grazer Hauptplatz übten die Darsteller mit Masken filmgerecht den Aufstand, wie es im Drehbuch, das in Moskau entstand und bei den Dreharbeiten spontan umgeändert wurde, stand. Der von Menschen manipulierte Terminator-Zwerg arbeitete gegen sie. Genau wie der Kuh-Rhetoriker, sind auch die Zwerge maskiert. Gosha Ostretsov beweist sein Talent nicht zum ersten Mal. Für Luc Bessons Film Taxi hat er Masken gefertigt. Spontan haben die zwei Moskauer auch noch drei Songs komponiert. (Marijana Milikovic, DER STANDARD Printausgabe, 7.7.2007)

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