Kopf des Tages: Wie ein Fisch im Wasser

6. Juli 2007, 20:29
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Hollywoodstar Cameron Diaz tritt bei "Live Earth" gegen den Klimawandel an

Zuletzt machte die 34-jährige Hispanoamerikanerin Cameron Diaz weniger Schlagzeilen mit ihren Filmen. Schon gar nicht mit ihrer Sprechrolle als Prinzessin Fiona im derzeit global kleine und große Kin-der rührenden Animationsfilm Shrek III. Anfang des Jahres rauschte es zwischen Gala, Bunte und Bravo eher wegen etwas anderem. Die fürs jugendliche Zielpublikum langsam zu alt werdende, weil vorzugsweise auf den jun- gen, sexy Kumpeltyp gebuchte Schauspielerin gab nach vier Jahren medienwirksamer Zweisamkeit die Trennung von Justin Timberlake bekannt. Der ist bekanntlich in der Nachfolge von Robbie Williams derzeit der "King of Pop". Und er schrieb ihr auch für sein aktuelles Album Futuresex/Lovesounds noch die herzig unbeholfene Ballade My Love ins Stammbuch. Fremdschämen, Teil eins.

Zudem verstörte Diaz erst vor wenigen Wochen - Fremdschämen, Teil zwei - die peruanische Bevölkerung bei einem Besuch der Kultstätte Machu Picchu mit dem Tragen einer in Hollywood-Kreisen gerade brüllend schicken chinesischen Tasche. Auf der befand sich neben einem Roten Stern auch ein Zitat Mao Tse-tungs: "Diene dem Volk!" Ein ungehöriges Hoppala, wenn man bedenkt, dass während der 80er-Jahre in Peru durch den terroristischen Guerillakrieg der maoistischen Bewegung "Leuchtender Pfad" damals an die 70.000 unschuldige Menschen zu Tode kamen.

Jetzt also bitte einen Klimawandel hin zum Positiven! Cameron Diaz fährt privat, so wie auch die restliche, auf der "guten Seite" beheimatete Hollywood-Elite, längst ein Hybridauto der Marke Toyota. Und sie setzte sich an der Seite der Hauptorganisatoren Al Gore und Kevin Wall von Beginn an nicht nur für das "Live Earth"-Projekt mit Lippenbekenntnissen ein. Sie nimmt im Gegensatz zu vielen ihrer ebenso um wohltätige Publicity bemühten Kolleginnen auch ernsthaft an inhaltlichen Auseinandersetzungen teil.

Möglicherweise will und wird also die mit herausragenden Komödien wie The Mask, There's Something About Mary oder Being John Malkovich, aber auch mit mediokren Filmen wie Charlie's Angels, Vanilla Sky oder Gangs of New York berühmt gewordene Tochter einer kalifornischen Hippiemutter und eines US-kubanischen Vorarbeiters als einer der höchstdotierten weiblichen Filmstars des vergangenen Jahrzehnts ihr Rollenfach wechseln. Bei ihrem Auftritt im Rahmen von "Live Earth" im New Yorker Giants Stadium am Samstag, bei dem weltweit bis zu zwei Milliarden Menschen zusehen werden, kann sie angesichts der Klimaproblematik ja zwei andere Mao-Zitate beherzigen: 1. "Der Revolutionär muss sich in den Volksmassen bewegen wie ein Fisch im Wasser." 2. "Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von selbst verschwinden." (Christian Schachinger/ DER STANDARD, Printausgabe, 07./08.07.2007)

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