Krisengespräch bei Musharraf

9. Juli 2007, 15:36
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Gefechte um Moschee - Keine Anzeichen für Erstürmung - Islamische Gelehrte starteten letzten Vermittlungsversuch - Regierung ließ 152 Koran-Schüler frei

Islamabad - Trotz einer "letzten Aufforderung" zur Kapitulation haben die Besetzer der Roten Moschee in Islamabad am Montag ihre Waffen nicht gestreckt. Soldaten schossen Tränengas auf das Gelände und lieferten sich Schusswechsel mit den Islamisten, die sich in dem Gebäude verschanzt haben. Eine Erstürmung der Moschee blieb aber zunächst aus.

Pakistans Staatschef Pervez Musharraf hat am Montag die Spitzen der Sicherheitsdienste zu einem Gespräch versammelt. Bei dem Treffen gehe es darum, die Optionen für eine Befreiung der von Koranschülern gehaltenen Roten Moschee von Islamabad zu besprechen, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. "Es könnte das letzte Treffen sein", fügte er hinzu.

"Zurückhaltung"

Ein Beamter des Innenministeriums in Islamabad betonte allerdings, die "Politik der Zurückhaltung" solle beibehalten werden, da die in der Moschee verschanzten Islamisten "hunderte Geiseln töten und anschließend die Sicherheitskräfte beschuldigen könnten". Bei den Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten in der Roten Moschee starben nach offiziellen Angaben bisher 24 Menschen. Dagegen sprechen die in der Moschee Verschanzten von rund 350 Toten auf dem Gelände.

Luftaufnahmen des Geländes

Die pakistanischen Sicherheitskräfte hatten zuvor einem Fernsehbericht zufolge eine mögliche Erstürmung der seit fast einer Woche von Extremisten besetzten Roten Moschee in Islamabad offensichtlich verschoben. Das berichtete der pakistanische Fernsehsender Geo TV am frühen Montagmorgen auf seiner Internetseite unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Ausschlaggebend für die Änderung der Pläne seien nächtliche Luftaufnahmen des Geländes mit Infrarotkameras durch unbemannte Drohnen gewesen. Auf Grund dieser Erkenntnisse solle eine neue Strategie ersonnen werden, hieß es.

"Letzte Warnung" für Moschee-Besetzer

Bereits am Sonntag hatten die Sicherheitskräfte die Extremisten ultimativ zur Aufgabe aufgerufen. Über Megafon sagten sie, dies sei die letzte Warnung. Obwohl keine konkrete Frist gesetzt wurde, hatte sich darauf hin in der pakistanischen Hauptstadt am späten Sonntagabend die Befürchtung breitgemacht, dass der Gebäudekomplex, in dem auch viele Frauen und Kinder festgehalten werden sollen, gestürmt werden könnte.

Militärsprecher Generalmajor Waheed Arshad sagte dagegen, er habe erst über die Medien von einer möglicherweise bevorstehenden Militäroperation erfahren. Auch wurden am Sonntagabend die Bemühungen für eine Verhandlungslösung fortgesetzt. Daran seien religiöse Führer und Vertreter der Regierung beteiligt. Nach Angaben von Geo TV soll Präsident Pervez Musharraf für Montag ein Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten einberufen haben, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.

Regierung ließ 152 Koran-Schüler frei

Die pakistanische Regierung hat am Sonntag 152 Gefangene aus der umkämpften Roten Moschee freigelassen. Die 15 bis 18 Jahre alten Koranschüler seien bei der Flucht aus dem Moschee-Komplex festgenommen worden, hieß es bei der Freilassung in einem Sportzentrum in Islamabad. Ein 15-jähriger Koranschüler sagte, die Moschee sei schon immer von Bewaffneten beschützt worden. Er habe allerdings keine ausländischen Kämpfer dort gesehen. Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen mehrmals den Vorwurf erhoben, auch islamistische Ausländer würden sich auf dem Gelände verschanzen.

Die freigelassenen Schüler studierten eigenen Angaben zufolge alle nicht in der Koranschule der Roten Moschee, sondern in einer verbundenen, ebenfalls als radikal geltenden Schule in Islamabad. Sie seien beim Ausbruch der Kämpfe am Dienstag aber auf dem Gelände zu Besuch gewesen. (Reuters/APA)

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    Koranschüler, die die Rote Moschee in Islamabad verlassen, werden von den Sicherheitskräften sofort verhaftet.

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    Blutige Sandsäcke und Einschusslöcher in die umkämpfte Rote Moschee.

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    Pakistanische oppositionelle Abgeordnete auf ihrem Weg in die Rote Moschee - die Vertreterinnen wollten mit den Extremisten über eine Freilassung der Frauen und Kinder verhandlen. Der Versuch musste jedoch aufgegeben werden.

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    Muzazamil Shah betet mit seiner Frau und Tochter um seinen 17-Jährigen Sohn, der sich während der Kämpfe noch in der Roten Moschee befindet.

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    Am Samstag und in der der Nacht auf Sonntag kam es zu heftigen Gefechten, bei denen auch der Leiter des Einsatzes getötet wurde.

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    Sicherheitskräfte am Montag auf einer verlassenen Straße vor der Roten Moschee.

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