Abblende

6. Juli 2007, 17:41
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Jörg Fauser wurde am 16. Juli 1944 in Bad Schwalbach im Taunus als Sohn eines Malers und von den Nazis verfolgten Kommunisten und einer Schauspielerin geboren. Er debütierte 1964 als Lyriker in den Frankfurter Heften. Nach dem Abitur begann er in Frankfurt am Main ein Ethnologie- und Anglistikstudium, das er 1966 abbrach. Er wurde morphium- und heroinabhängig, lebte wegen der leichteren Beschaffung von Drogen zeitweilig in Istanbul oder London, kam erst 1972 von den harten los und verlegte sich bis zu seinem Tod auf eine beachtliche Karriere als Alkoholiker wie gleichzeitig Vielschreiber. Im Herbst werden als Abschluss der achtbändigen Werkausgabe unter dem Titel Der Strand der Städte gut 850 Seiten allein seiner Zeitungskolumnen und Reportagen für Magazine wie Playboy oder Spiegel erscheinen.

Neben einer ausgezeichneten, von ihm selbst als seine beste Arbeit bezeichneten Biografie, Marlon Brando, der versilberte Rebell, stechen aus Fausers Werk neben den Gedichtbänden Die Harry Gelb Story und Trotzki, Goethe und das Glück vor allem drei Romane hervor: Der Schneemann, Das Schlangenmaul und die Autobiografie Rohstoff. Der Rock-’n’-Roll-Fan und US-Literatur-Besessene ("Ich war der einzige, der noch nie in Amerika war, ich war auch gar nicht so scharf auf Amerika, das konnte man auch kaum sein, wenn man die amerikanischen Bücher ernst nahm, die ich las.") schrieb zudem Songtexte für den deutschen Rockmusiker Achim Reichel. Am 17. Juli 1987, in der Nacht nach seinem 43. Geburtstag, wurde Fauser beim Überqueren einer Autobahn bei München von einem Lkw erfasst und getötet. Seine Bücher erscheinen gegenwärtig neu ediert im Berliner Alexander Verlag. (schach /ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 07./08.07.2007)

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