Südgrönland war einst von Wäldern bedeckt

16. Juli 2007, 15:43
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Die Analyse von DNA und Aminosäuren aus einem zwei Kilometer langen Eisbohrkern brachte Erstaunliches zutage

Washington - Vor 450.000 bis 800.000 Jahren war Grönland belebt: Statt einer kilometerdicken Eisschicht bedeckten Nadelwälder den südlichen Teil der Insel, Schmetterlinge, Käfer, Fliegen und Spinnen tummelten sich zwischen Fichten, Eiben und anderen Bäumen. Das zeigt ein einzigartiger Erbgutfund, den ein internationales Forscherteam vom Boden des grönländischen Eispanzers gewonnen hat und als bisher älteste DNA im US-Fachjournal "Science" (Bd. 317, S. 111) präsentiert.

Entgegen bisheriger Annahmen war die Insel seitdem nicht mehr eisfrei, argumentieren Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen. Denn wären etwa vor der vergangenen Eiszeit vor rund 120.000 Jahren erneut Wälder in Südgrönland gewachsen, hätten ihre Überreste die nun gefundene ältere DNA ersetzt. "Wenn unsere Daten richtig sind, heißt das auch, dass die Eisdecke des südlichen Grönlands stabiler ist als bislang angenommen", betont Willerslev.

Untersuchter Eisbohrkern

Einer der Eisbohrkerne, den die Wissenschafter untersuchten, trägt den Namen Dye 3 und hat eine Gesamtlänge von zwei Kilometern. Aus dem untersten Abschnitt gewannen die Forscher DNA und Aminosäuren, welche sie anschließend vervielfältigten und dann über eine Datenbank mit bekannten Informationen verschiedenster Tier- und Pflanzenarten verglichen. Auf diese Weise konnten sie ermitteln, wie Flora und Fauna auf Grönland einst ausgesehen haben.

Das südliche Grönland war demnach vor allem von Nadelwald bedeckt. Neben den verschiedenen Tier- und Baumarten fanden die Forscher Spuren meist krautiger Pflanzen, etwa von Korbblütlern, Schmetterlingsblütengewächsen und von Süßgräsern. Diese Pflanzen finden sich auch heute noch in vielen nördlichen Regionen. Auf Grund der nachgewiesenen Pflanzenarten vermuten die Wissenschafter, dass die Temperaturen in der Region im Juli über zehn Grad Celsius lagen und auch im Winter nicht unter minus 17 Grad fielen.

Das Alter der Proben können die Forscher nicht exakt bestimmen, vier verschiedene Untersuchungsmethoden ergaben ein Alter zwischen 450.000 und 800.000 Jahren. Die Wissenschafter hoffen, auch aus anderen Bohrkernen Erbgut gewinnen und so möglicherweise vergangene Ökosysteme entdecken zu können, die bisher unter den Eismassen verborgen liegen. (APA/dpa)

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