„Überrascht, was Mentoring kann“

6. Juli 2007, 17:00
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Dreißig Paare, Mentoren und ihre Mentees, sind im ersten Standard- Mentoring-Circle gestartet. Sie berichten aus dem abgelaufenen Jahr

Florian Dorfbauer (30) war richtig skeptisch. Allerdings auch bewusst an einem Scheideweg, nachdem der ausgebildete numerische Physiker in Melbourne und Wien seine Dissertation fertig gestellt hatte: eines der Konzernangebote in die Forschung annehmen oder doch dem leisen Drang in die Selbstständigkeit folgen? Dorfbauer entschied sich für den Mentoring-Circle, für Unternehmensberaterin Marlies Buxbaum (bzd Dorotheergasse) als Mentorin, und sagt nach einem Jahr: „Es hat mich gewundert, was so ein Mentoring alles bewirken kann – und wie schnell!“

Er baut jetzt seine Software-Entwicklungsfirma La Gentz Labs auf, betreibt nebenher ein Tonstudio und fühlt sich in seiner Mitte. Mit der Mentorin hat er ein individuelles System, eine Kombination aus Treffen, Mail, spontanen Telefonaten entwickelt: „Es war erstaunlich, wie bereichernd und hilfreich all das Persönliche, das einfließt, ist.“

Die Produktspezialistin und ausgebildete Chemikerin bei der Siemens Medical Solu_tions Diagnostics, Gerlinde Brodnik (30), wusste wohl, dass sie nach dem Verkauf ihrer Sparte durch Bayer an Siemens am richtigen Platz war, wollte aber Unterstützung für mehr Ausrichtung auf eine Führungskarriere. Mit der selbstständigen Personalentwicklerin Andrea Zeilinger ist das gelungen. Brodnik: „Ich mache jetzt wahrscheinlich noch einen MBA, um meinen wirtschaftlichen Background zu vertiefen.“ Schön sei, dass die Beziehung weiter gepflegt werde, auch nach diesem offiziellen Jahr des Mentoring-Circle.

So und so ähnlich beschreiben alle Teilnehmer (30 Paare) ihre Erfahrungen – viele wollen im zweiten Durchgang wieder dabei sein. „Das ist für mich keinesfalls ausgereizt“, sagt etwa Christian Hampl (46), der sowohl Mentor als auch Mentee (von ÖBB-Personalchef Franz Nigl) war. Hampl wechselte zum Programmstart gerade vom Nivea-Marketing bei Beiersdorf zum Business-Development beim Pharma-Großhändler Herba Chemosan. „Das war eine Veränderungsphase: Ich war besonders offen, und Cross-Mentoring kam mir da ganz gelegen.“ Mit Franz Nigl fand er – auch wegen des beiderseitig so dichten Terminkalenders – den gemeinsamen Zugang des Laufens. Resümee: „Über den Tellerrand des Unternehmens und der Branche zu schauen ist ungemein befruchtend.“

Lob gibt es auch für die beiden Mentoring-Spezialistinnen Gabi Hahn und Sylvia Enzendorfer (academic mentoring): Dass sie übers Jahr ausschließlich der Betreuung der Paare zur Verfügung standen, wird als sehr gut vermerkt.

„Ich habe auch bei den Netzwerktreffen von den hervorragenden Persönlichkeiten profitiert“, so Elena Graf, in der Investkredit-Bank für Immobilienfinanzierung in CEE und für die Kooperation mit internationalen Banken in diesem Bereich verantwortlich. Die mobile Bulgarin wollte ihr Selbst- und Fremdbild schärfen und sich Führungsverantwortung zutrauen. Das, sagt sie, ist mit Mentor Hans Dichtl (Österreich Werbung) geglückt – er steht ihr als langfristiger Sparring-Partner weiter zur Verfügung.

Zu den Sponsoren der kommenden Runde gehören Bwin, First Data, Pierre Lang, TPA, Wienerberger, Wiesner Hager, WU Executive Academy, Vivatis. (kbau, Der Standard, Printausgabe 7./8.7.2007)

  • Führungsfragen, Motivation, Umgang mit Konflikten – die brennendsten Themen der Mentoren und Mentees werden bei den regelmäßigen Netzwerktreffen im Plenum mit prominenten Gästen sehr offen diskutiert.
    foto: christian fischer

    Führungsfragen, Motivation, Umgang mit Konflikten – die brennendsten Themen der Mentoren und Mentees werden bei den regelmäßigen Netzwerktreffen im Plenum mit prominenten Gästen sehr offen diskutiert.

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